Sontag, Susan née Susan Rosenblatt

 

  • geb. 16.1.1933 in New York (Manhattan)
  • gest. 28.12.2004 in New York

US-amerikanische Schriftstellerin, Essayistin und Publizistin; sie entstammte einem bürgerlich-jüdischen Elternhaus. Nach dem frühen Tod ihres Vaters, der einen Pelzhandel in China betrieb, und der Wiederverheiratung ihrer Mutter nahm sie den Namen ihres Stiefvaters an. Sie studierte in Harvard und Chicago Englisch und Philosophie und lehrte danach an verschiedenen amerikanischen Universitäten, veröffentlichte mehrere Romane und schrieb zahlreiche literaturwissenschaftliche und politische Essays. In Regarding the Pain of Others (2003, dt. Das Leiden anderer betrachten)  beschäftigte sie sich kritisch mit der Kriegsfotografie. Sie wurde von den puritanischen, evangelikalen und konservativen Kreisen ihrer Heimat sehr angefeindet (z.B. wegen Äußerungen wie:”The white race is the cancer of human history”), galt anderen jedoch als das ”moralische Gewissen Amerikas”. Besonders nach den Terroranschlägen vom 11.9.2001 kritisierte sie scharf das ”imperiale” Verhalten des amerikanischen Präsidenten George W. Bush und sein Vorgehen im Irak-Krieg, da sie die Legitimation zu einem Eingreifen der USA bezweifelte. Sie galt als das enfant terrible Amerikas, da sie immer wieder auf Mißstände und Ungerechtigkeiten hinwies, u.a. mit dem Vorwurf, die Vereinigten Staaten seien wegen der Ausrottung der Indianer auf Völkermord gegründet.

Werke u.a.: The Benefactor (dt. 1963, Der Wohltäter), Against Interpretation (1966), Styles of Radical Will (1969), Illness as Metaphor (dt. 1978, Krankheit als Metapher), The Volcano Lover (dt. 1992, Der Liebhaber des Vulkans), In Amerika (2003).

Auszeichnungen u.a.: National Book Award (2000), Jerusalempreis (2001), Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (2003).

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Kerner, Justinus Andreas Christian

 

 

  • geb. 18.9.1786 in Ludwigsburg
  • gest. 21.2.1862 in Weinsberg

Deutscher Arzt und Dichter; der Sohn eines Regierungsrates war nach dem Tod seines Vaters gezwungen, eine Lehre in einer Tuchfabrik zu beginnen. Auf Botengängen kam er an einer Nervenklinik vorbei und hörte die Schreie der Insassen. Dieses Erlebnis ließ in ihm den Wunsch wachsen, den Menschen zu helfen. Er studierte ab 1804 Medizin in Tübingen und erhielt 1810 die Approbationsurkunde als Arzt und eine Anstellung als Badearzt in Wildbad. 1812 wurde er Amtsarzt in Welzheim. Obwohl er Friederike Hauffe schon 1807 kennengelernt und gepflegt hatte, konnte er sie aus finanziellen Gründen erst 1813 heiraten (ihre Lebensgeschichte ging in seinen Roman Die Seherin von Prevorst [2 Bde., 1829] ein). Das zunächst kärgliche Leben der Beiden änderte sich erst als Kerner 1819 zum Oberamtsarzt in Weinsberg berufen wurde. Gleichzeitig wurde er mehr und mehr auch als Schriftsteller bekannt. Es bildete sich ein Freundeskreis u.a. mit Ludwig Uhland und Gustav Schwab, die er schon in Ludwigsburg kennengelernt hatte. Seine Neigung zur Melancholie wandelte sich in schleichenden Trübsinn und nahm ihm allmählich auch seine physische Kraft, als seine Frau nach einer Grippe am 18.4.1854 starb. Das Leben bis zu seinem Tode war mehr und mehr gekennzeichnet von einer Neigung zum Mystischen und Okkulten. Kerner war ein wichtiger Vertreter der spätromantischen schwäbischen Dichterschule.

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Weinsberg, Alter Friedhof

Mauthner, Fritz

 

  • geb. 22.11.1849 in Horice (Ostböhmen)
  • gest. 29.6.1923 in Meersburg

Österreichischer Schriftsteller und Sprachphilosoph; der Sohn eines Webereibesitzers entschloß sich nach einem abgebrochenem Jurastudium, freier Schriftsteller zu werden. Zunächst arbeitete er als Kulturkritiker und übernahm 1895 die Redaktion des Berliner Tageblatt. 1905 zog er nach Freiburg und von dort 1909 nach Meersburg, wo er private Studien betrieb. Bekannt wurde er als Autor literarischer Parodien und als Satiriker; er schrieb Gesellschafts- und auch historische und philosophische Romane. Als Philosoph vertrat er eine agnostische, nominalistische Position, die das Vermögen der Sprache als Mittel der Wirklichkeitserkenntnis infrage stellt.

Werke u.a.: Der neue Ahasver (1882), Schmock (1888), Nach berühmten Mustern (2 Teile, 1889), Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande, Beiträge zur Kritik der Sprache.

Inschrift: Vom Menschsein erlöst.

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Bild: Hanns-Eckard Sternberg (2004)

Meersburg, Friedhof

Sperber, Manès

 

  • geb. 12.12.1905 in Zablotów (heute Sabolotow, Ukraine)
  • gest. 5.2.1984 in Paris

Französischer Schriftsteller österreichischer Herkunft; der Sohn eines Rabbiners wuchs in chassidischer Tradition in Galizien und in Wien auf, wohin die Familie 1916 vor den Kriegswirren in der Heimat geflohen war. In Wien studierte er dann Psychologie und wurde Schüler und später Mitarbeiter von Alfred Adler, bis es 1932 zum Bruch kam. 1927 wurde er Dozent für Individualpsychologie und Soziologie in Berlin; 1932 erfolgte der Beitritt zur KPD, deren Mitglied er blieb, bis er 1937 in Paris aus der Partei austrat. Nachdem er 1933 unmittelbar nach der Machtergreifung in Schutzhaft genommen und wieder entlassen worden war, emigrierte Sperber über Österreich und Jugoslawien nach Frankreich und diente 1939 als Kriegsfreiwilliger in der französischen Armee. Als die französische Armee 1940 geschlagen war, floh er in die Schweiz und kehrte erst nach Kriegsende wieder nach Paris zurück. Er arbeitete in Verlagen und war zeitweise als Hochschullehrer tätig. Sein bekanntestes Werk ist die (auto)biographisch-politische Romantrilogie Wie eine Träne im Ozean (1961). Er publizierte psychologische Schriften und eine Reihe von Essays, in denen er sich u.a. mit der jüdischen Identität auseinandersetzte.

Werke u.a.: Die Wasserträger Gottes (1974), Die vergebliche Warnung (1975), Bis man mir Scherben auf die Augen legt (1977).

Auszeichnungen u.a.: Georg-Büchner-Preis (1975), Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (1983).

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Bild: Claus Harmsen (stones & art)

Paris, Cimetière du Montparnasse

Paris, Cimetière du Montparnasse

Bild: Amy (23.2.2006)
Bilder: Steffen Giesler (10/2007)
Bild: Alexander Krischnig (01/2008)
Bild: Rachel (10/2007) flickr.com
Schriftsteller LI