Wieland, Christoph Martin

 

 

  • geb. 5.9.1733 in Oberholzheim (heute z. Achstetten, Ldkrs. Biberach)
  • gest. 20.1.1813 in Weimar

Deutscher Schriftsteller; entstammte einem pietistischen Landpfarrhaus. Der Vater, der als Pfarrer nach Biberach versetzt wurde, wo der junge Wieland aufwuchs, unterrichtete, bevor ein Privatlehrer den Unterricht fortsetzte, ab dem dritten Lebensjahr zunächst selber; 1747 wurde er in das Schulinternat des Klosters Berge (b.Magdeburg) geschickt und studierte zwei Jahre später für ein Semester Philosophie in Erfurt. Er folgte jedoch 1750 dem Wunsch der Eltern und begann in Tübingen mit dem Studium der Rechtswissenschaften. In dieser Zeit lernte er während eines kurzen Aufenthalts in der Heimat seine Cousine Marie Sophie Gutermann von Gutershofen kennen, mit der er sich verlobte; sie blieben einander auch dann ein Leben lang freundschaftlich zugeneigt, als im Jahre 1753 die Trennung erfolgte. Nach Beendigung des Studiums in Tübingen folgte Wieland 1752 einer Einladung Johann Jakob Bodmers (*1698, +1783) nach Zürich und blieb dort bis 1758; 1759 ging er als Hauslehrer nach Bern, wo er sich mit Julie von Bondeli verlobte, löste aber auch hier die Verlobung (1760). Im selben Jahr wurde Wieland Senator und kurz darauf Kanzleidirektor in Biberach an der Riß; konfessionelle Streitigkeiten, finanzielle Schwierigkeiten und persönliche Konflikte bestimmten jedoch jene Zeit. Schließlich heiratete er 1765 die Tochter eines Augsburger Patrizier, Dorothea von Hillengrand (*1746, +1801); aus dieser Ehe gingen 14 Kinder hervor. 1769 wurde Wieland als ordentlicher Professor der Philosophie und kurmainzischer Regierungsrat an die Universität in Erfurt berufen, von wo aus er Beziehungen zum sog. Halberstädter Kreis , dem J.W. L.Gleim und J.G. Jacobi angehörten, aufnahm. 1772 berief ihn Herzogin Anna Amalia, die auf seine Roman Der goldene Spiegel (1772), aufmerksam geworden war, zum Erzieher ihrer beiden Söhne nach Weimar. Als der damals 18-jährige Karl August 1775 als Großherzog die Regentschaft übernahm, und lebte Wieland weiterhin als freier Schriftsteller in Weimar. 1797 erwarb er ein Landgut nahe der Stadt in Oßmannstedt, auf das er sich immer wieder zurückzog. Nachdem 1801 sein Frau Dorothea gestorben war, geriet Wieland, der sich mit dem Kauf des Gutes übernommen hatte, an den Rand eines Ruins, so daß er wieder nach Weimar ziehen mußte. Von großer Bedeutung für die Orientierung von Geist und Geschmack des deutschen Bürgertums war seine 1773 ff. nach französischem Vorbild erscheinende Zeitschrift Der Teutsche Merkur, in der Wieland viele seiner Werke und Schriften zuerst veröffentlichte.

Werke u.a.: Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde (1753), Sympathien (1756), Empfindungen eines Christen (1757), Lady Johanna Gray (1758), Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva (1764), Geschichte des Agathon (2 Bde., 1766/67), Alceste (1773), Agathodämon (1799).

Inschrift: Liebe und Freundschaft umschlang / Die verwandten Seelen im Leben / Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein.

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Bilder: Wolfgang Prokosch (2005)

Ossmannstedt, Park des Guthofes

Bild: Martina Schulz (06/2005)

Karsch, Anna Louisa gen. Karschin née Dürbach

 

  • geb. 1.12.1722 Meierei “Auf dem Hammer” b. Schwiebus (heute Swiebozin)
  • gest. 12.10.1791 in Berlin

Deutsche Dichterin; die Tochter eines Gastwirts   lernte erst Lesen und Schreiben bei ihrem Großonkel, zu dem sie nach dem Todes ihres Vaters geschickt worden war. Als ihre inzwischen wiederverheiratete Mutter sie zurückholte, mußte sie bei ihr u.a. als Kuhmagd arbeiten. Nach zwei gescheitereten Ehen kam sie 1761 auf Vermittlung von Baron von Kottwitz nach Berlin, wo sie u.a. durch Gotthold Ephraim Lessing gefördert und als “deutsche Sappho” gefeiert wurde. Friedrich der Große hatte ihr bei einer Audienz - sie hatte patriotische Gesänge auf ihn verfaßt - eine Pension und ein Haus versprochen, löste das Versprechen jedoch nicht ein. Erst sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II., der ihre Gedichte schätzte, ließ für sie ein Haus auf der Neuen Promenade erbauen, in dem sie bis zu ihrem Tode nur noch zwei Jahre leben konnte.

                   Belloisens Lebenslauf (1761/62)

               Ich ward geboren ohne feierliche Bitte,
               Des Kirchspiels, ohne Priesterflehn
               Hab ich in strohbedeckter Hütte
               Das erste Tageslicht gesehn,
               Wuchs unter Lämmerchen und Tauben
               Und Ziegen bis ins fünfte Jahr,
               Und lernt’, an einen Schöpfer glauben
               Weil’s Morgenroth so lieblich war,
               So grün der Wald, so bunt die Wiesen,
               So klar und silberschön der Bach!
               Die Lerche sang für Belloisen,
               Und Belloisen sang ihr nach.
               Die Nachtigall in Elsensträuchen
               Erhub ihr süsses Lied, und ich
               Wünscht’ ihr im Tone schon zu gleichen.
               Hier fand ein alter Vetter mich
               Und sagte: du sollst mit mir gehen.
               Ich ging und lernte bald bei ihm,
               Die Bücher lesen und verstehen,
               Die unsern Sinn zum Himmel ziehn.
               Vier Sommer und vier Winter flogen,
               zu sehr beflügelt an uns vorbei;
               Des Vetters Arm ward ich entzogen
               Zu einer Bruderwiege neu.
               Als ich den Bruder groß getragen,
               Trieb ich drei Rinder auf die Flur,
               Und pries in meinen Hirtentagen
               Vergnügt die Schönheit der Natur.
               Ward früh ins Ehejoch gespannet,
               Trug’s zweimal nacheinander schwer,
               Und hätte mich wol nichts ermannet,
               Wenn’s nicht den Musen eigen wär,
               Im Unglück und in bittern Stunden
               Dem beizustehn, der ihre Huld
               Vor der Geburt schon hat empfunden.
               Sie gaben mir Mut und Geduld,
               Und lehreten mich Lieder dichten,
               Mit kleinen Kindern auf dem Schoß.
               Bei Weib- und Magd- und Mutterpflichten,
               Bei manchem Kummer, schwer und groß,
               Sang ich den König und die Schlachten,
               Die Ihm und seiner Heldenschar
               Unsterblichgrüne Kränze brachten,
               Und hatte noch manch saures Jahr,
               Eh frei von andrer Pflichten Drang
               Mir Tage wurden zu Gesang!

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Berlin, Alter Sophienkirchhof

Strauß und Torney, Lulu von

 

  • geb. 20.9.1873 in Bückeburg
  • gest. 19.6.1956 in Jena

Deutsche Schriftstellerin; seit 1916 mit dem Verleger Eugen Diederichs verheiratet; schrieb Erzählungen und Romane aus der niederdeutschen Landschaft sowie Balladen. In ihren Novellen und historischen Romanen zeichnete sie in vortrefflicher, einfühlsamer Weise die Landschaften und deren Menschen.

Werke u.a.: Bauernstolz (Novellenslg., 1901), Lucifer (1907), Der jüngste Tag (1922).

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Bild: Wolfgang Prokosch (2005)

Jena, Nordfriedhof

Herzl, Theodor

 

  • geb. 2.5.1860 in Budapest
  • gest. 3.7.1904 in Edlach (heute zu Reichenau a.d. Rax, Niederösterreich)

Österreichischer Schriftsteller und Publizist jüdischer Herkunft; studierte Jura in Wien, wo er 1884 promovierte, und arbeitete danach als Feuilletonist für die Neue Freie Presse. 1891 wechselte er als Korrespondent nach Paris und berichtete von dort über den Dreyfuss-Prozeß, unter dessen Eindruck er zum Begründer des politischen Zionismus (Der Judenstaat, 1896) wurde, das er zu der Überzeugung gelangte, daß die Gründung eines jüdischen Staates notwendig - und auch realisierbar sei. 1897 berief er den 1. Zionistischen Weltkongreß nach Basel ein. In seinem Roman Altneuland (1902) entwickelte er seine Ideen über einen aristokratisch geleiteten jüdischen Zukunftsstaat. Dabei ging er realitätsfern davon aus, daß die in Palästina lebenden Araber die neuen jüdischen Siedler freudig begrüßen würden.

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Bild: E. Einhorn

Jerusalem, Herzlberg (Mount Herzl National Cemetery)

Bilder: Alexander Krischnig (8/2005)

Wien, Döblinger Friedhof

Hinweis: Theodor Herzl wurde 1949 vom Döblinger Friedhof in Wien nach Jerusalem umgebettet.

Bild: P.Robert Jauch OFM (03/2006)
Schriftsteller LXII