Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff:

Die 7 Göttinger Professoren

Als im Jahre 1837 die Personaleinheit zwischen den Königreichen Hannover und Großbritannien aufgehoben und Ernst August, Herzog von Cumberland, König von Hannover wurde, weigerte er sich, die seit 1833 geltende Verfassung des Landes anzuerkennen und entmachtete in absolutistischer Art kurzer Hand die Ständeversammlung (“I have cut the wings of this democracy”). Daraufhin verweigerten die sieben Göttinger Professoren Wilhelm Eduard Albrecht (*1800, †1876), F.C. Dahlmann , Georg August Heinrich von Ewald , Georg Gottfried Gervinus (*1805, †1871), Jakob und Wilhelm Grimm und Wilhelm Eduard Weber ihm den Huldigungseid und wurden am 14.12.1837 ihrer Lehrstühle enthoben. Der in Leipzig gegründete Göttinger Verein sammelte Spenden für die Sieben, die begeisterte Zustimmung für ihre Verfassungstreue überall im Lande erfuhren. Bettine von Arnim z.B., die eine enge Freundschaft mit diesen verband, setzte sich vehement für eine Anstellung der Grimm-Brüder in Berlin ein.

 

 

 

 

 

Napoleonische Kriege

die von Napoleon ab 1803 als Nachwirkung der Französischen Revolution geführten Kriege. Der Ausbruch der Französischen Revolution war zunächst in der politischen Öffentlichkeit vieler Staaten positiv aufgenommen worden, wurde in Deutschland als die neue “fränkische Freyheit” aufgenommen. Ihre Ausartung, insbesondere die Septembermorde und die Hinrichtung König Ludwigs XVI. und seiner Gemahlin Marie Antoinette, bewirkte jedoch eine zunehmende Enttäuschung; die Regenten bangten zudem um ihre Souveränität. In den Nachbarstaaten formierten sich Kräfte, die - beeinflußt und unterstützt auch durch die vor den Auswirkungen der Revolution ins benachbarte Ausland geflohenen französischen Adligen - militärische Aktionen gegen das revolutionäre Frankreich, das rechtsrheinische Landstriche, u.a. Mainz, besetzt hatte, das am 23.7.1793 vor der preußisch-österreichischen Armee.kapitulierte, durchführten. Der ersten Koalition der alliierten europäischen Mächte traten neben Preußen und Österreich traten ab 1793 immer mehr Staaten bei. Nachdem die Politik des Pariser Direktoriums ab 1795 immer offener auf Annexionen ausging, und der damalige Divisionsgeneral Napoleon Bonaparte die rechtswidrigen Besetzungen durchführen sollte, kam es zum

  • 1. Koalitionskrieg (bis 1797), gefolgt 1798/99 von Napoleons Ägyptenexpedition, gefolgt vom
  • 2. Koalitionskrieg (seit 1803),

zu einer Erneuerung des Krieges zwischen Frankreich und Großbritannien mit der Schlacht bei Trafalgar, in der Lord Nelson fiel.

  • 3. Koalitionskrieg (1805/07) gegen Frankreich in einem Bündnis Großbritanniens mit Schweden, Russland und Österreich,

in dem Napoleon am 13./14.11.1805 Wien besetzte und am 2.12. über die Österreicher und Russen in der sog. Dreikaiserschlacht bei Austerlitz siegte. Gezwungen durch den Frieden von Preßburg am 26.12. verlor Österreich alle italienischen Besitzungen, sowie Dalmatien Tirol und Vorderösterreich; im Königreich Neapel setzte Napoleon die seinen Bruder Joseph 1806 und seinen Schwager Joachim Murat 1808 auf den Thron der Bourbonen.

  • 4. Koalitionskrieg (1806/07):

im Herbst 1806 kam es zu einem Bruch Frankreichs mit Preußen, und die französischen Truppen unter der Führung von Napoleon und Marschall Louis Nicolas Davout besiegten in der sog. Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14.10.1806 die preußische Armee unter Fürst zu Hohenlohe-Ingelfingen bei Jena und Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig bei Auerstedt; Napoleon zog am 27.10. in Berlin ein und verfügte von hier aus die Kontinentalsperre gegen das Britische Königreich. Während Sachsen einen Sonderfrieden mit Napoleon schloß, setzte Friedrich Wilhelm III. , der nach Ostpreußen geflohen war, mit Hilfe der Russen den Krieg fort. Am 7./8.2.1807 kam es zur Schlacht bei Preußisch Eylau; Preußen mußte, obwohl Königin Luise bei einem Treffen mit Napoleon in Tilsit einen milderer Frieden zu erreichen suchte, die harten Bedingungen des Friedens von Tilsit (7. und 9.7.) hinnehmen. Rußland schloß mit Napoleon ein Bündnis.

  • Krieg auf der Pyrenäenhalbinsel (1808-1814)

Im November 1807 besetzte Napoleon Portugal, da es sich geweigert hatte, sich den Bedingungen der Kontinentalsperre zu unterwerfen. Während die portugiesische Königsfamilie sich durch Flucht nach Brasilien entzog, zwang Napoleon den spanischen König Karl IV. und den Thronfolger anzudanken und setzte stattdessen seinen Bruder Joseph am 6.6.1808 auf den Thron. Bislang war er siegesgewohnt; jetzt aber  war ein großer Teil seiner Armee hier durch ständige militärische Auseinandersetzungen gebunden, und Wellington gelang es durch seinen Sieg bei Vitoria (21.6.1813) schließlich die Franzosen zur Räumung Spaniens zwingen.

  • Krieg Österreichs gegen Frankreich (1809)

als Folge des Sieges Wellingtons waren die Österreicher ermutigt, Frankreich am 9.4.1809 den Krieg erklären. Aber schon am 20./22.4. wurde die österreichische Hauptmacht unter Erzherzog Karl bei Abensberg, Landshut und Eggmühl geschlagen.Wiederum maschierten französische Truppen in Wien ein. Zwar errang Österreich in der Schlacht bei Aspern (21./22.5.) einen Sieg, wurde jedoch bei Wagram (5./6.7.) entscheidend niedergerungen. Zudem hatte sich die Hoffnung Österreichs zuschlagen, einen Bundesgenossen unter den deutschen Staaten zu finden. Es kam lediglich zu vereinzelten Unterstützungsversuchen, wie z.B. durch den Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill.oder den Aufstand in Tirol und der Schlacht am Berg Isel (25.und 29.5.1809) unter Andreas Hofer, der jedoch fehlschlug.  Österreich war gezwungen, den Frieden von Schönbrunn (14.10.) zu schließen und verlor Salzburg, das Innviertel, Westgalizien, einen Teil Ostgaliziens und seine adriatischen Küstenländer.

  • Russische Feldzug (1812

Die Wende im politischen Schicksal Europas begann allerdings erst aufgrund des Rußlandfeldzugs Napoleons. Rußland, das mehr und mehr unter den wirtschaftlichen Auswirkungen litt, die die Kontinentalsperre mit sich brachte, brach seine Koalition mit Napoleon, der daraufhin mit der “Großen Armee” (ca. 600.000 Mann), sowie preußischen und österreichischen Hilfstruppen am 24.6.1812 die russische Grenze überschritt. In der Schlacht bei Borodino am 7.9. hatte Napoleon gegen seinen Gegner General Michail Ilarionowitsch Kutusow zwar große Verluste zu erleiden, zog aber dennoch am 19.9. in Moskau ein. Da die abziehenden russischen Truppen die Stadt in Brand gesetzt hatten, fand die französische Armee, wie auf den Rückzug ab 19.10 auch, kaum Lebensmittel. Außerdem wurde sie durch die einsetzende große Kälte und die ständigen Partisanenattacken zunehmend zermübt und zerrieben. Es gelang Napoleon zwar noch unter Inkaufnahme erheblicher Verluste zwischen dem 26. und 28.11. der Übergang über die Beresina, danach aber löste die “Große Armee” sich vollständig auf; Napoleon erreichte Paris nur noch mit wenigen Begleitern. Für das preußische Hilfskorps schloß General Yorck von Wartenburg mit dem russischen General Diebitsch am 30.12.1812 die Konvention von Tauroggen, die den Anstoß zur Erhebung Preußens gegen Napoleon gab.

Die Napoleonischen Kriege fanden ihre Fortsetzung in den Befreiungskriegen.

Die Freiheitskriege

Die Kriege von 1813 bsi 1815, die Deutschland, Italien und Spanien von der französischen Herrschaft befreiten und dem Kaiserreich Napoleons I. ein Ende bereiteten; Teil der Koalitionskriege. Sie entstanden nach Anfängen des Widerstandes in Preußen (seit 1806/07), dem spanischen Unabhängigkeitskrieg (seit 1809) und der österreichischen Erhebung (1809; Andreas Hofer) erst aus der Katastrophe des französischen Rußlandfeldzugs (1812) und waren die Initialzündung des Nationalbewußseins.

Am 6.8.1806 legte Franz II. in Wien die Kaiserkrone nieder - 1804 hatte er bereits auf Druck hin den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen -, nachdem zuvor 16 Vertreter west- und süddeutscher Staaten aus dem Reich ausgetreten waren. Dies machte den Weg frei, unter dem Protektorat Napoleons den Rheinbund als Gegengewicht zu Preußen und Österreich zu gründen. Damit war der Anlaß eines Konfliktes zwischen dem napoleonischen Frankreich und den Mächten Alteuropas gelegt. Tiefere Ursache war Napoleons Glaube an Wachstum und Wohlstand durch Merkantilismus. Um dies zu erreichen - so Napoleons Ansicht - müßten Frankreichs Absatzmärkte vor ausländischer Konkurrenz zu schützen sein, auch wenn man sie zu französischen Einflußgebieten zu machen habe. Der napoleonische Einfluß auf die deutschen Staaten war zwar bedrückend, hat aber letztlich eine positive Neuorientierung in vieler Hinsicht gebracht (Rechtswesen, Ökonomie, Säkularisierung etc.).

Die alte Rivalität zwischen Frankreich und England um Kolonien und die Expansionspolitik zur Vorherrschaft in Europa führte nach der Ausschaltung Spaniens durch Nelsons Sieg über die französisch-spanische Flotte 1805 bei Trafalgar zu weiteren Kriegen (Napoleonische Kriege) zwischen der Französischen Republik und England, in die durch Koalitionen gebundene Länder hineingezogen wurden. Im Zuge dieser Kriege wurde weite Teile des Kontinents von den Truppen Napoleon besetzt.

Als Napoleons 600.000 Mann starke und durch österreichischen und preußische Hilfstruppen verstärkte Große Armee das besetzte Moskau, das er nach der verlustreichen Schlacht bei Borodino besetzt hatte, räumen und sich Ende 1812 ganz aus Rußland unter großen Verlusten zurückziehen mußte und General Yorck von Wartenburg am 30.12.1812 mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen schloß, war dies der Anstoß u.a. zur Erhebung Preußens gegen Napoleon und der Beginn der Befreiungskriege.

  • Frühjahrsfeldzug 1813:

Nach dem Untergang der Großen Armee Napoleons im Rußlandfeldzug von 1812 entschloß sich Kaiser Alexander I., nach Westen vorzustoßen. Die Konvention von Tauroggen leitete am 30.12. 1812 die Erhebung Preußens ein. Am 28.2.1813 schlossen Preußen und Rußland das Bündnis von Kalisch, und am 17.3. erließ König Friedrich Wilhelm III. in Breslau den Aufruf “An mein Volk”, doch folgte der König nur zögernd der patriotischen Begeisterung des Volks. Napoleon schlug die Preußen am 2.5. bei Groß-Görschen und am 20./21.5. bei Bautzen und zwang die Verbündeten zum Rückzug nach Schlesien. Am 4.6. schloß er den Waffenstillstand von Pläswitz (bis 10.8.). Nachdem eine durch Metternich versuchte Vermittlung Österreichs (Prager Friedenskongreß) erfolglos geblieben war, trat dieses gemäß dem Vertrag von Reichenbach (27.6.) auf die Seite der Verbündeten, ebenso Großbritannien und Schweden.

  • Herbstfeldzug 1813:

Die Koalition gegen Napoleon, der seine Hauptmacht um Dresden sammelte, stellte drei Heere auf: die Böhmische oder Hauptarmee unter dem österreichischen General Schwarzenberg, die Schlesische Armee unter Blücher mit Gneisenau als Generalstabschef, der wesentlichen Anteil an der Gesamtplanung des Feldzugs hatte, und die Nordarmee unter Jean-Baptiste Bernadotte. Die Verbündeten siegten über die nicht von Napoleon kommandierten Heere (Bülow bei Großbeeren am 23.8., Blücher an der Katzbach am 26.8.), während die Hauptarmee bei Dresden am 26./27.8. durch Napoleon geschlagen wurde. Am 3.10. erzwang Blücher den Elbübergang bei Wartenburg, worauf alle Verbündeten die Umfassung Napoleons einleiteten, der sich aus Dresden zurückzog. In der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19.10.1813) wurde Napoleon vernichtend geschlagen; er selbst entkam über den Rhein. Bayern, dem die übrigen Rheinbundstaaten folgten, hatte sich im Vertrag von Ried (8.10.) auf die Seite der Verbündeten gestellt. Der Rheinbund fiel auseinander, die französische Herrschaft in Deutschland brach zusammen. In den Niederlanden wurde die französische Herrschaft Ende November beseitigt.

 

 

  Völkerschlachtdenkmal ca. 1936

  • Feldzug 1814:

Die Verbündeten (ohne Schweden) setzten den Krieg in Frankreich fort. Blücher schlug Napoleon bei La Rothière (1.2.); anschließend mußten die Verbündeten jedoch eine Reihe von Niederlagen hinnehmen, bis der Sieg bei Arcis-sur-Aube (20./21.3.) den Weg nach Paris öffnete, das am 30.3. kapitulierte. Wellington drang von Spanien aus nach Bordeaux vor. Am 6.4. mußte Napoleon in Fontainebleau abdanken. Er wurde nach Elba verbannt, Ludwig XVIII. als König eingesetzt. Im 1.Pariser Frieden (30.5.) erhielt Frankreich die Grenzen von 1792.

  • Feldzug 1815:

Während der Wiener Kongreß noch über die Neuordnung Europas verhandelte, landete Napoleon am 1.3.1815 in der Nähe Cannes und zog am 20.3. in Paris ein. Zwei Armeen wurden gegen ihn aufgestellt: eine britisch-deutsch-niederländische unter Wellington und eine preußische unter Blücher. Napoleon konnte die Armee Blüchers bei Ligny (16.6.) schlagen, scheiterte aber am 18.6. bei Belle-Alliance (Waterloo). Napoleon ergab sich den Engländern und wurde nach Sankt Helena gebracht. Der 2. Pariser Friede mit dem wiederhergestellten bourbonischen Königtum schloß die Befreiungskriege ab.

Die Reformation

Die eher auf Verweltlichung und auf persönliche Macht ausgerichteten Aktivitäten der Renaissance-Päpste und die sich von den Bibelworten entfernenden Kirche, sowie die Finanzpraktiken der Kirche, die im Ablaßhandel (man entrichtet eine bestimmte Geldsumme an die Kirche und ist dafür besser vor den Gefahren des Fegefeuers, des Ewigen Gerichts geschützt - “Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt”) gipfelten, führten zunehmend zu dem Ruf nach Erneuerung der Kirchen und deren Institutionen. Nachdem die Forderungen unerfüllt geblieben waren, löste Martin Luther 1517 mit den 95 Thesen über den Ablaß eine Reformbewegung aus, die den Rahmen der bestehenden Kirche innerhalb weniger Jahre sprengte. Sie wurde von zahlreichen Reformatoren in alle Teile Deutschlands und außerhalb getragen. Allerdings zeigte die Bewegung schon früh Spaltungstendenzen.

Ein bedeutendes Zentrum der Reformation war neben Wittenberg zunächst Zürich, wo Ulrich Zwingli ab 1523 nicht nur die Kirchenordnung, sondern das ganze Gemeinwesen umgestaltete, und nach seinem Tod ab 1536 Genf unter Johannes Calvin, das sozusagen zum protestantischen Musterstaat mit strenger moralischer Reglementierung mutierte. Abgesehen von den Abweichungen von Luthers Lehre (z.B. der Determinismus ), trug auch die unterschiedliche Kirchenentwicklung zur Entfremdung zwischen den beiden evangelischen Konfessionen bei. Diese wog um so schwerer, als sie die ohnehin schon gelockerten Bindungen der Schweiz an das Reich weiter schwächte.

Andere reformatorische Gruppen, die aber meist nur für kurze Zeit eine Rolle spielten, waren z.B. die sozialrevolutionär orientierten Zwickauer Propheten, zu denen Thomas Müntzer gehörte, und die Täufer, die die Erwachsenentaufe praktizierten. Eine vom Täufertum beeinflußte Gruppe gründete 1534 in Münster ein kurzlebiges “Königreich”, das ein gewaltsames Ende fand.

Die rasche Ausbreitung der Reformation wurde durch politische Faktoren begünstigt: anfangs war der Papst aus außenpolitischer Rücksicht auf den sächsischen Kurfürsten zur Zurückhaltung im Ketzerprozeß gegen Luther genötigt, später wurde Kaiser Karl V. immer wieder durch die politische Lage an der Bekämpfung der Reformation gehindert. Nachdem der Sieg der Landesherren im Bauernkrieg 1524/25 ihre Stellung erheblich gestärkt hatte, nahmen die evangelischen Reichsstände den Reichstagsbeschluß von Speyer 1526 (der die Religionsfrage bis zum erwarteten Konzil der Gewissensentscheidung der Reichsfürsten überließ) zum Anlaß, in ihren Gebieten eine obrigkeitliche Kirchenordnung, das »landesherrliche Kirchenregiment«, aufzubauen. Nach kursächsischem Vorbild wurden Visitationen durchgeführt, d.h., von den Landesherren eingesetzte Kommissionen prüften die Situation in den Gemeinden, veranlaßten einheitliche Vorschriften für Gottesdienst, kirchliche Lehre, Schulunterricht und anderes und registrierten den Kirchenbesitz, den die Landesherren allerdings nicht immer für gemeinnützige Zwecke verwendeten.

Daneben setzte die politische Parteibildung der Konfessionen ein. Als Ferdinand I. (*1503, †1564) auf dem Reichstag in Speyer 1529 den Beschluß von 1526 rückgängig zu machen versuchte, legten die Evangelischen eine »Protestation« vor, von der sie die Bezeichnung Protestanten erhielten. Im nächsten Jahr unterbreiteten die Lutheraner Karl V. in Augsburg eine Zusammenfassung ihrer Lehre, das Augsburger Bekenntnis , dem eine vom Kaiser akzeptierte »Confutatio« (= Widerlegung) entgegengestellt wurde. Da der Kaiser weiteren Widerstand in der Religionsfrage als Landfriedensbruch verurteilte, schlossen sich viele lutherische Reichsstände 1531 zur Verteidigung im Schmalkaldischen Bund unter Führung Hessens und Kursachsens zusammen. Nach mehrmaligem Aufschub - als Gegenleistung für protestantische Hilfe gegen die Türken - konnte Karl erst 1546 militärisch gegen die Schmalkaldener vorgehen, doch trotz deren vollständiger Niederlage war weder an eine Teilnahme der Protestanten an dem 1545 eröffneten allgemeinen Konzil noch an eine religiöse Kompromißlösung im Reich zu denken. Dem Herrschaftsanspruch des Kaisers widersetzten sich auch katholische Fürsten, so daß eine “Fürstenverschwörung” 1551/52 Karl zum Einlenken zwang. Der Augsburger Religionsfriede bestätigte 1555 die konfessionelle Spaltung Deutschlands.

Der Schmalkaldische Bund

Am 27.2.1531 in Schmalkalden (Thüringen) geschlossener Bund protestantischer Fürsten und Städte zur Verteidigung des auf dem Augsburger Reichstag von 1530 überreichten Augsburger Bekenntnis. Hauptakteure des Bundes wurden Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen. Die politische Bedeutung des Schmalkaldischen Bundes wuchs mit der Rückeroberung Württembergs und der Wiedereinsetzung Herzog Ulrichs (1534) in sein Amt. Der Schmalkaldische Bund wurde zu einem europäischen Machtfaktor; Kaiser, Papst und ausländische Mächte verhandelten mit ihm. Die Schwächung des Bundes begann mit dem bundeswidrigen Verhalten einzelner Reichsstände Anfang der 1540er Jahre; er zerfiel im Schmalkaldischen Krieg, der von Kaiser Karl V., auf dessen Seite auch protestantische Fürsten wie Moritz von Sachsen standen, 1546/47 gegen die im Schmalkaldischen Bund organisierten protestantischen Mächte geführte Religionskrieg; nach der Gefangennahme Kurfürst Johann Friedrichs I. von Sachsen (Schlacht bei Mühlberg, 24.4.1547) und Landgraf Philipps I. von Hessen (Halle, 19.6.1547) konnte Karl V. das Augsburger Interim durchsetzen. (Passauer Vertrag).

Die Augsburgische Konfession (Confessio Augustana)

Die grundlegende Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche. Sie wurde aufgrund des kursächsischen Sonderbekenntnisses von Melanchthon lateinisch und deutsch verfaßt und von den Protestanten auf dem Reichstag in Augsburg 1530 Kaiser Karl V. überreicht. Sie besteht aus 28 Artikeln und behandelt in 2 Teilen den Glauben und die Lehre des Protestantismus und die von ihm beseitigten Mißbräuche der katholischen Kirche. In den späteren Ausgaben hat Melanchthon mehrfach Änderungen vorgenommen; besonders bedeutsam ist die lateinische Ausgabe von 1540 (Confessio variata), die in der Abendmahlslehre eine die Ansichten Luthers und Calvins vereinigende Formel enthält (Abendmahl). Erst seit dem Religionsgespräch in Weimar (1560) griff die lutherische Orthodoxie auf die “unveränderte” Augsburgische Konfession (Confessio invariata) als den allein gültigen Ausdruck der reinen lutherischen Lehre zurück und erklärte die “veränderte” Augsburgische Konfession (variata) für ungültig. Die Anerkennung der Confessio variata durch Calvin (1541) ermöglichte es, auch die Reformierten im Westfälischen Frieden als Augsburgische Konfessionsverwandte zu behandeln.

Der Wiener Kongreß

Versammlung europäischer Fürsten und Staatsmänner aus Großbritannien, Österreich, Preußen, Rußland, Schweden, Spanien und Portugal vom 18.9.1814 bis 9.6.1815 in Wien, in der nach dem Sturz Napoleons I. über die Umgestaltung Europas entschieden wurde. Frankreich wurde durch seinen Außenminister Charles Maurice de Talleyrand vertreten, der mit der Begründung, schließlich sei Frankrecih nach der Revolution wieder zur Monarchie zurückgekehrt, Gleichberechtigung mit den europäischen Mächten zu erreichen suchte. Den Vorsitz führte K.W. Fürst Metternich, neben ihm war Kaiser Alexander I. von Rußland von großem Einfluß; Preußen wurde von König Friedrich Wilhelm III., Großbritannien durch Viscount Castlereagh und 1815 durch Wellington vertreten. Im Zentrum der Verhandlungen standen die Wiederherstellung der vorrevolutionären Ordnung (Vorbereitung der Heiligen Allianz) und die territoriale Neuordnung unter dem Aspekt des Gleichgewichts der europäischen Mächte. Rußland erhielt den größten Teil des Herzogtums Warschau (“Kongreßpolen”), Preußen, die Provinz Posen, die nördliche Hälfte Sachsens (spätere Provinz Sachsen), Neuvorpommern, Westfalen und die Rheinprovinz; Österreich bekam seine bis 1809 an Napoleon abgetretenen Besitzungen zurück, außerdem die Lombardei und Venetien, verlor jedoch die südwestdeutschen Gebiete und die vormals Österreichischen Niederlande (das heutige Belgien), die mit Holland als Königreich der Vereinigten Niederlande zusammengeschlossen wurden. Die Schweiz gewann mit dem Wallis, Neuenburg und Genf drei Kantone und erhielt die Garantie ihrer immer währenden Neutralität. An die Stelle des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches trat der Deutsche Bund, dessen Bundesakte Bestandteil der Wiener Kongreßakte vom 9.6.1815 wurde (später ergänzt durch die Wiener Schlußakte).

Philhellenismus

Im 19.Jahrhundert die Bezeichnung für die Bewegung, die den ideel durch die Geistesbewegung der Klassik vorbereiteten Freiheitskampf der Griechen (1821-30) gegen die Türken unterstützten, der u.a. der Maler Eugène Delacroix , die Dichter Wilhelm Müller, Adalbert von Chamisso, Victor Hugo angehörten; vorbildhaft war das aktive und literarische Engagement des englischen Dichters Lord Byron.

Die Schlesischen Kriege

Kaiser Karl VI. hatte in der am 19.4.1713 verkündeten und 1724 zum Staatsgrundsatz erhobenen Pragmatischen Sanktion (Unteilbarkeit des habsburgischen Länderbesitzes und die Regelung der Erbfolge) die Erbfolge zugunsten seiner Töchter festgelegt. Als nach seinem Tod seine Tochter Maria Theresia den Thron bestieg, machten die Kurfürsten von Bayern und Sachsen durch ihre habsburgischen Frauen ältere Rechte auf das Erbe geltend. Der preußische König Friedrich II., der Große nutzte die schwierige Situation, um in das zu Österreich gehörende Schlesien einzumarschieren. Als Vorwand galten die aus dem Jahre 1517 stammenden Erbverträge der Hohenzollern und Liegnitzer Piasten, aus denen ein Anspruch auf  das Herzogtum Jägerndorf (heute Krnov, Tschechische Republik) hervorging. Friedrich II. von Preußen löste in der Folge die drei Schlesischen Kriege aus und stieg in deren Folge als fünftes Land in die Reihe der europäischen Großmächte (Frankreich, Großbritannien, Rußland und Österreich) auf, die die Politik bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges bestimmten.

Der Siebenjährige Krieg

Als Österreich sich mit Rußland und Frankreich verbündete, um das durch die Preußen im 1. (1740-42) und 2. (1744/45) Schlesischen Krieg eroberte Schlesien zurückzugewinnen, begann Friedrich II. von Preußen am 29.8.1756 mit Unterstützung von Großbritannien-Hannover einen Präventivkrieg, schlug am 17.10. bei Pirna das Heer Kursachsens und  besetzte das Gebiet. Daraufhin beschloß der Regensburger Reichstag im Frühjahr 1757 die Reichsexekution gegen Preußen; Schweden erklärte Preußen den Krieg. Im Frühjahr 1757 marschierten preußische Truppen in Böhmen ein und besiegten die Österreicher bei Prag (6.5.). Als Friedrich bei der Schlacht bei Kolin (18.6.) dem österreichischen Feldmarschall Leopold Josef von Daun unterlag, mußte er sich jedoch wieder aus Böhmen zurückziehen. Am 8.9.1757 wurde Preußens Verbündeter, der britische Befehlshaber in Hannover, Wilhelm August Herzog von Cumberland, durch die Konvention von Kloster Zeven (8.9.1757) zur Neutralität und Auflösung seiner Truppen gezwungen, nachdem die Franzosen ihn zuvor bei Halstenbeck am 26.7. geschlagen hatten.

Nun rückten russische Truppen in Ostpreußen und schwedische in die Uckermark ein. Friedrich gelang es jedoch die mit einem französischen Korps herbeieilende Reichsarmee am 5.11.1757 bei Roßbach und am 5.12. die Österreicher, die Schlesien besetzt hielten und doppelte Mannschaftszahlen aufwiesen, bei Leuthen mittels der aus der Antike übernommenen “Schiefen Schlachtordnung” zu besiegen. Im Juni 1758 gelang es die Franzosen bei Krefeld über den Rhein zurückzudrängen, und Friedrich schlug die Russen am 26.8.1758 bei Zorndorf. Diese zogen ihre Truppen daraufhin aus der Neumark und Pommern zurück. Trotz der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Hochkirch am 14.10., zwang Friedrich den österreichischen Feldmarschall von Daun, Sachsen zu verlassen.

Am 12.8.1759 erlitten die Preußen bei Kunersdorf gegen die vereinigten österreichisch-russischen Truppen ihre schwerste Niederlage. Friedrich konnte sich zwar durch seinen Sieg bei Liegnitz (15.8.1760) über die Österreicher aus der drohenden Umklammerung retten, als jedoch die englischen Hilfsgelder ausblieben, schien seine Lage aussichtslos, obwohl er noch einen begrenzten Erfolg am 3.11. bei Torgau an der Elbe verzeichnen konnte. Friedrich glaubte, Fortuna habe sich von ihm abgewendet, und er war so niedergeschlagen und ohne Hoffnung, daß er mit dem Gedanken an Selbstmord spielte. Die Wende trat ein, als die russische Zarin Elisabeth am 5.1.1762 starb und ihr Nachfolger Peter III., der Gatte von Katharina der Großen , mit Friedrich II., den er bewunderte, am 5.5.1762 einen Separatfrieden schloß. Am 22.5. schloß auch Schweden Frieden mit Preußen.

Friedrich gelang es jetzt durch die Siege über von Daun am 21.7.1762 bei Burkersdorf und am 16.8. bei Reichenbach Schlesien zurückzugewinnen. Friedrichs Bruder besiegte die Österreicher und die Reichstruppen am 29.10.1762 bei Freiberg (Sachsen). Nach dem Vorfrieden von Fontainebleau (3.11.1762) wurde am 15.2.1762 auf Schloß Hubertusburg bei Oschatz unter der Maßgabe der des unveränderten Gebietsstands von 1756 Frieden zwischen Preußen, Österreich und Sachsen geschlossen.

Der Konflikt betraf auch die Briten und Franzosen in ihren Überseegebieten. In Nordamerika mußten die Franzosen nach der Schlacht von Quebec im September 1759 und der Kapitulation Montreals (1760) Kanada den Briten überlassen. Diese vereinnahmten nach dem Kriegseintritt Spaniens im Juni 1762 Kuba, im Juni 1762 die Philippinen und die französischen Besitzungen in der Karibik. In Afrika wurde ihnen der Senegal abgenommen, Indien kam an England. Im Vorfrieden von Fontainebleau trat Frankreich Louisiana östlich des Mississippi an Spanien ab; im Pariser Frieden (10.2.1763) gingen die meisten der Besitzungen in Nordamerika und Indien verloren.

Deutscher Krieg

Der 1866 zwischen Preußen und Österreich geführte Krieg, der, aus dem alten preußisch-österreichischer Dualismus resultierend, nach dem Sieg über die Dänen ausbrach. Der kriegerische Konflikt wurde nach nur einwöchiger Dauer durch den preußischen Sieg von Königgrätz am 3.7.1866, den Vorfrieden von Nikolsburg und dem endgültigen Friedensschluß von Prag beendet. Frankreich unter Napoleon III. hatte mit Österreich für den Fall eines österreichischen Sieges ein Geheimabkommen getroffen, demzufolge Gebietsabtretungen erfolgen sollten. Dieser Plan Frankreichs wurde durch den überraschend schnellen Sieg durchkreuzt und förderte wegen der Enttäuschung auf französicher Seite sozusagen den preußisch-französischen Gegensatz. In der Folge dieses Friedensschlusse verzichtete Österreich auf ein Mitsprache an der Neugestaltung Deutschlands und der Deutsche Bund war aufgelöst.

Märzrevolution

Bürgerliche, durch die Februarrevolution in Paris beeinflußte Revolution von 1848/49 in Deutschland mit dem Ziel der Herstellung der deutschen Einheit und der Einführung einer liberalen Verfassung.

Frankfurter Nationalversammlung

Erstes gesamtdeutsches verfassunggebendes Parlament, das 1848/49 in der Paulskirche zu Frankfurt am Main tagte (deshalb auch Paulskirchenparlament genannt), nach der Märzrevolution 1848 hervorgegangen aus freien Wahlen. Am 12.3.1848 wurde durch einen “Siebenerausschuß” zum 31.3. ein Vorparlament nach Frankfurt am Main eingeladen, das sich am 3.4. auf unter Einberufung eines “Fünfzigerausschußes”, der die Wahl einer Nationalversammlung beschloß (Gesetz vom 7.4.1848), auflöste. Die am 18.5.1848 gebildete Frankfurter Nationalversammlung (Deutsche Nationalversammlung) wollte eine gesamtdeutsche Verfassung entwerfen und einen deutschen Nationalstaat schaffen, der die preußischen und österreichischen Sonderinteressen bei Erhaltung der staatlichen Vielfalt Deutschlands aufheben sollte (“deutsche Frage”). Am 28./29.6.1848 schuf die Frankfurter Nationalversammlung mit der Wahl des Reichsverwesers Erzherzog Johann von Österreich eine provisorische Regierung, der jedoch eine wirksame Exekutivgewalt fehlte. In der Septemberrevolution ließ die gemäßigt-liberale Mehrheit der Frankfurter Nationalversammlung einen Aufstand der radikalen Linken durch preußische und österreichische Truppen niederschlagen (18.9.1848) und verhalf so den alten Ordnungsmächten zum entscheidenden Erfolg. Während es der Frankfurter Nationalversammlung gelang, sich auf ein umfassendes “Gesetz über die Grundrechte des deutschen Volkes” (Grundrechte der Reichsverfassung) zu einigen (20./21.12.1848, Inkraftsetzung am 27.12.1848), standen sich in der Debatte um die deutsche Frage die Kleindeutschen (Erbkaiserliche, v.a. Heinrich von Gagern), die den Ausschluß Österreichs befürworteten, und die in sich uneinheitliche Gruppe der Großdeutschen gegenüber. Am 28.3.1849 wurde schließlich der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser eines kleindeutschen Reiches gewählt (290 Stimmen bei 248 Enthaltungen). Mit seiner Weigerung, die Erbkaiserkrone anzunehmen (3.4.; endgültig 28.4.), war die Frankfurter Nationalversammlung gescheitert. Die liberal geprägte Reichsverfassung vom 28.3. 1849 wurde nur von 28 kleineren Staaten, aber u.a. nicht von Preußen und Österreich anerkannt. Die Maiaufstände zur Durchsetzung der Verfassung in Sachsen (Dresdner Maiaufstand), Baden und der Rheinpfalz wurden niedergeschlagen (23.7. Kapitulation in Rastatt). Das Rumpfparlament aus etwa 100 Radikalen verlegte mit Beschluß vom 30.5.1849 seinen Sitz nach Stuttgart (Eröffnung 6.6.; Absetzung des Reichsverwesers am 16.6.). Es wurde am 18.6.1849 von württembergischen Truppen aufgelöst.

Nobelpreis

Die alljährlich am Todestag des Stifters (10.12.1896), Alfred Nobel , durch die Zinserträge aus der Nobelstiftung finanzierte und durch die Königlich Schwedischen Akademien verliehene und den schwedischen König in Stockholm überreichte internationale Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin und Literatur sowie für Verdienste zur Erhaltung des Friedens (Friedensnobelpreis). Der Fonds des 1969 von der Schwedischen Reichsbank anläßlich ihres 300-jährigen Bestehens gestifteten Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften (Preis für Ökonomische Wissenschaft in Erinnerung an Alfred Nobel) ist von dem der Nobelstiftung getrennt.

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

Verursacht durch die gegnerische Haltung Frankreichs unter Napoléon III. zu Bismarcks Politik der nationalen Einigung und Einengung der französischen Machtstellung in Europa nach dem preußischen Sieg im Deutschen Krieg 1866 (Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich über die deutsche Frage = Forderung nach einer nationalen Gesamtordnung der bis 1806 im Heiligen Römischen Reich verbundenen Territorien). Den äußeren Anlaß gab der Streit um die Berufung des Erbprinzen von Hohenzollern-Sigmaringen auf den spanischen Thron (s.a. Emser Depeche). Am 19.7.1870 erklärte Frankreich den Krieg. Ein französisch-österreichisches Bündnis kam nicht mehr zustande. Die süddeutschen Staaten traten wegen Bündnisverpflichtungen sofort an die Seite Preußens. Das deutsche Heer war dem Gegner v.a. durch seine Führung (Helmuth Graf von Moltke) weit überlegen (Siege der deutschen Armeen bei Weißenburg am 4.8., Wörth und Spichern am 6.8. sowie bei Colombey/Nouilly, Vionville/Mars-la-Tour und Gravelotte/Saint-Privat vom 14. bis 18.8.). Der deutsche Sieg von Sedan (2.9.; Gefangennahme Napoleons III.) bedeutete das Ende des französischen Kaiserreiches. Gegen die nach Ausrufung der Französischen Republik (4.9.) aufgebotenen Massenheere fiel die militärische Entscheidung erst im Januar 1871 vor Paris. In Paris erhob sich März-Mai 1871 die Kommune. Am 26.2. wurde der Vorfriede von Versailles und am 10.5.1871 der Frankfurter Friede geschlossen. Frankreich trat Elsass-Lothringen ab und mußte eine Kriegsentschädigung von 5 Mrd. Franken leisten. Die Gründung des Deutschen Reiches unter preußischer Führung (Kaiserproklamation Wilhelms I. am 18.1.1871 in Versailles) war eine unmittelbare Folge des Deutsch-Französischen Krieges.

Romantik

Die geistes- und stilgeschichtliche Epoche, die zwischen den Revolutionsjahren 1789 und 1848 das geistige Leben in Europa (und später den USA) maßgeblich bestimmte.

Gemeinsame Grundlage romantischer Weltsicht stellten die Erfahrungen komplexer Veränderungen des sozialen und kulturellen Gefüges dar, deren sichtbarste die Französische Revolution war. Die Romantiker waren sich der Diskrepanz zwischen dem in der Französischen Revolution verkündeten Freiheitsideal und der gesellschaftlichen Realität bewußt. Eigentlicher Raum menschlicher Selbstverwirklichung wurde die innere Welt, aber auch eine verklärt gesehene Vergangenheit, in der die menschliche Gesellschaft noch nicht auseinandergebrochen war.

Pax Romana

Die durch Rechtsnormen und ethisches Grundrecht gesicherte Friedensordnung des Römischen Reiches besonders im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. (daher auch Pax Augusta - Kaiserfrieden - genannt).

Jugendstil

Deutsche Bezeichnung einer internationalen Stilrichtung von etwa 1890 bis 1914, die in Frankreich und Belgien Art nouveau, in England Modern Style, in Österreich Sezessionsstil genannt wird. Der Jugendstil, benannt nach der Münchner Zeitschrift Jugend (1896-1940), ist als Bewegung gegen die historisierenden Stile des 19.Jahrhunderts entstanden. Er suchte nach neuen Formen, die alle Bereiche der Kunst und des Lebens durchdringen sollten. Die Grenzen zwischen den Künsten wurden aufgehoben. Die Form eines Gegenstandes wurde aus den Gegebenheiten seines Materials und seiner Funktion entwickelt. Materialgerechtigkeit wurde zur Forderung. Zu den Formbesonderheiten zählen Flächenhaftigkeit und Betonung der Linie als dynamisch bewegtes Ausdrucksmittel, der sich eine vegetative Ornamentik unterordnet.

Art Déco

von der 1925 in Paris stattgefundenen Ausstellung für Kunstgewerbe (französisch arts décoratifs ) abgeleitete Stilbezeichnung für Kunsthandwerk und Malerei zwischen 1920 und 1930. Art déco ging vom späten Jugendstil aus, hatte eine üppig ornamentale, gelegentlich exotische Richtung und war vom Kubismus und Futurismus beeinflußt.

Klassizismus

Stilbegriff zur Bezeichnung von wiederkehrenden Kunstströmungen, die sich bewußt auf antike, meist griechische Vorbilder berufen. In der Architektur lassen sich klassizistische Richtungen seit dem 16. Jahrhundert in Frankreich (Classicisme), England und den Niederlanden (Palladianismus) nachweisen, die um 1770 zum vorherrschenden Stil in der europischen und amerikanischen Kunst wurden. Klassizistische Tendenzen, die sich oft nur schwer vom Historismus abgrenzen lassen und meist als Neoklassizismus bezeichnet werden, finden sich um 1870, im 1. Viertel des 20. Jahrhunderts und wieder in der postmodernen Architektur seit 1970.

Klassizismus im Besonderen ist die Stilepoche zwischen 1750 und 1830, der die Stile Biedermeier, Directoire, Empire und Louis-seize untergeordnet sind. Die eingehende wissenschaftliche Erforschung der antiken Kunst und Architektur bildete die Grundlage für die Rezeption antiker Vorbilder in allen Bereichen der Kunst. Anstöße gaben u.a. die frühen Ausgrabungen von Herculaneum und Pompeji und die Schriften J. J. Winckelmanns.

  • In der Literatur:

Auf die klassische Antike bezogener Stil und Wertbegriff für Dichtung, die sich antiker Stilformen und Stoffe bedient.

  • In der Kunst

Stilbegriff zur Bezeichnung von wiederkehrenden Kunstströmungen, die sich bewußt auf antike, meist griechische Vorbilder (Tempelbauten, Statuen, Mobiliar etc.) berufen.

Dreißigjähriger Krieg

Der europäische Religions- und Staatenkonflikt, der aus dem konfessionellen Gegensatz im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und dem Gegensatz zwischen Habsburgermonarchie und Ständen entstand und auf deutschem Boden 1618-48 ausgetragen wurde. Im Reich standen sich zunächst die schon 1608/09 gegründeten konfessionellen Bündnisse (protestantische Union, katholische Liga) unter Führung von Kurpfalz beziehungsweise Bayern gegenüber; Vermittlungsversuche des auf Ausgleich bedachten Kaisers Matthias I. scheiterten; es kam zum protestantischen Aufstand in Böhmen. Die Auseinandersetzungen lassen sich in mehrere Phasen aufgliedern:

  • Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-23)

Der Böhmische Aufstand (ausgelöst durch den Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618, bei dem mit Jaroslaw Graf von Martinitz und Wilhelm Graf von Slawata zwei der Statthalter des Königs von Böhmen aus den Fenstern der Prager Burg auf einen Misthaufen gestürzt wurden) weitete sich durch die Absetzung Ferdinands II. durch die böhmischen Stände (1619) und die Wahlannahme des pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. (Winterkönig) zum Reichskonflikt aus. Ferdinand warf Böhmen mit Unterstützung Spaniens und der katholischen Liga unter Führung seines streng gläubigen Schwagers, Herzog und Kurfürst Maximilians I. von Bayern (*1573, †1651), Gegner Albrecht von Wallensteins, nieder (Schlacht am Weißen Berg bei Prag, 8.11.1620); Feldherr J. T. von Tilly eroberte die Pfalz und besiegte die Protestanten bei Wimpfen (6.5.1622), Höchst (20.6.1622) und Stadtlohn (6.8.1623). Bayern erhielt die pfälzische Kurwürde (1623). Böhmen wurde gewaltsam rekatholisiert.

  • Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1625-29)

Von England und den Niederlanden unterstützt, griff der dänische König Christian IV., Herzog von Holstein, 1625 ein, um sich in Norddeutschland eine Machtbasis für den Kampf mit Schweden um die Ostseeherrschaft zu schaffen, mußte sich aber nach seiner Niederlage bei Lutter am Barenberge (27.8.1626) gegen das Heer der Liga unter Tilly und der Besetzung Jütlands im Lübecker Frieden (12.5.1629) zur Neutralität verpflichten. Mit einem eigenen kaiserlichen Heer schlug Albrecht von Wallenstein den protestantischen Söldnerführer Graf Ernst II. von Mansfeld an der Dessauer Brücke (25.4.1626), besetzte den Ostseeraum von Pommern bis Jütland und belagerte vergeblich Stralsund (1628). Mit dem Restitutionsedikt (6.3.1629) schien sich endgültig eine Kräfteverschiebung zugunsten des Katholizismus anzubahnen. Doch die gleichzeitigen zentralistischen Bestrebungen des Kaisers forderten auch den Widerstand der katholischen Fürsten heraus, die mit französischer Unterstützung auf dem Regensburger Kurfürstentag 1630 die Entlassung Wallensteins durchsetzten.

  • Schwedischer Krieg (1630-35)

Beunruhigt durch die kaiserliche Machtstellung an der Ostsee, griff Gustav II. Adolf von Schweden in den Krieg ein (Landung in Pommern, 4.7.1630). Sein Vorstoß nach Süden (Sieg über Tilly bei Breitenfeld, 17.9.1631; bei Rain am Lech, 15.4.1632) veranlaßte den Kaiser zu Wallensteins erneuter Berufung; in der Schlacht bei Lützen (16.11.1632) fiel der Schwedenköig. Sein Kanzler Graf A. Oxenstierna faßte durch den Heilbronner Bund (23.4.1633) die süd- und westdeutschen protestantischen Fürsten auch weiterhin unter schwedischer Führung zusammen. Wegen seiner eigenmächtigen Verhandlungen mit den Schweden wurde Wallenstein geächtet, abgesetzt und am 25.2.1634 in Eger im kaiserlichen Auftrag ermordet. Die Niederlage der Schweden und des Heilbronner Bundes unter Bernhard von Sachsen-Weimar bei Nördlingen (6.9.1634) führte zum Frieden von Prag (30.5.1635), der neben der Einigung zwischen protestantischen Ständen und Kaiser auch die Säuberung des Reiches von fremden Truppen vereinbarte.

  • Schwedisch-Französischer Krieg (1635-48)

Frankreich, schon seit 1631 der Geldgeber Schwedens, griff nun in den Kampf ein, um der Übermacht des Hauses Habsburg zu begegnen. In Richelieus Auftrag stellte Bernhard ein Heer auf. Doch keiner Seite gelang es, den Krieg militärisch zu entscheiden; Siegen der Franzosen unter Bernhard am Oberrhein (Eroberung Breisachs, 17.12.1638) und der Schweden unter J.Banér (bei Wittstock, 4.10.1636; Vorstoß bis Prag, 1638, und Regensburg, 1641) und L.Torstenson (bei Breitenfeld, 2.11.1642, und Jankau in Mähren, 6.3.1645) standen Siege der Bayern unter F. von Mercy und J. von Werth über die Franzosen (u.a. bei Tuttlingen, 24.11.1643) gegenüber. Der Krieg verlagerte sich nach Süddeutschland. Die allgemeine Erschöpfung führte nach zahlreichen, ab 1644 vergeblichen geführten Verhandlungen am 24.10.1648 zum Westfälischen Frieden, der zum Vorbild für spätere Friedenskonferenzen wurde. Zugleich markiert das Vertragswerk den Beginn einer europäischen Friedensordnung gleichberechtigter Staaten und bedeutet einen entscheidenden Beitrag zum friedlichen Miteinander der Konfessionen. Letztlich führte er zur Herausbildung des modernen Völkerrechts.

Plakat aus dem Jahre 1648, das Ende des Krieges verkündend

 

Der mit großer Rücksichtslosigkeit geführte Krieg zog einen fast 40%igen Bevölkerungsverlust nach sich und führte zu einschneidenden territorialen Einbußen und ökonomischen Rückschlägen für das Reich, dessen Territorien die Hauptkriegsschauplätze waren. Große Landstriche des Kontinent waren verwüstet, Handel und Wirtschaft lagen am Boden. Hunger war täglicher Begleiter der geschundenen Bevölkerung.

Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1713/14)

Hintergrund des Spanischen Erfolgekrieges war der Kampf um die hegemoniale Rolle Frankreichs in Europa. Der vom letzten spanischen Habsburger, Karl II., testamentarisch bestimmter Nachfolger war Philipp V., der die spanische Linie der Bourbonen begründete. Gegen die drohende Hegemonie der Bourbonen auf dem Kontinent und eine Vereinigung der französisch-spanischen Kolonialreiche bildete Österreich die Große (Haager) Allianz mit Großbritannien, den Generalstaaten, Portugal sowie den wichtigsten Territorien des Heiligen Römischen Reiches zum Kampf gegen Frankreich (verbündet mit Bayern und Köln). Hauptkriegsschauplätze waren Spanien, Oberitalien, Süddeutschland und die spanischen Niederlande. Die bedeutendsten Siege errangen die Alliierten unter Prinz Eugen und Herzog von Marlborough bei Höchstädt an der Donau, 13.8.1704; Ramillies-Offus, 23.5.1706, Turin 7.9.1706, Malplaquet 11.9.1709. Philipp V. konnte sich zwar behaupten, in den Friedensschlüssen von Utrecht (11.4.1713), Rastatt (6.3.1714) und Baden (7.9.1714) verlor Spanien aber seine Besitzungen in Italien und den südlichen Niederlanden an Österreich; ein erheblicher Teil der französischen Kolonien in Nordamerika, Gibraltar und Menorca, Balearen, wurden britisch. Diese Veränderungen erfolgten ganz im Sinne der von England vertretenen Idee eines  europäischen Gleichgewichts (Balance of Power) und sicherten dessen wirtschaftlichen Interessen vor allem seiner Seemachtstellung.

Aufklärung

Der Begriff  faßt verschiedene geistige und kulturelle Strömungen zusammen; allen gemeinsam war die Kritik am absoluten Wahrheitsanspruch der Offenbarungsreligion und an der absoluten Monarchie. An den Humanismus anknüpfend, brachte in der Philosophie zuerst der Rationalismus neue Denkansätze hervor (Niederlande: B.de Spinoza, Frankreich: René Descartes, Deutschland: G. W. Leibniz, C. Wolff). Dessen Theorie von den angeborenen Ideen setzte der Empirismus (England: J. Locke, D. Hume, G. Berkeley) die Abhängigkeit allen Wissens von der sinnlichen Erfahrung entgegen. Zwischen beiden Richtungen vermittelte Ende des 18. Jahrhunderts I. Kant. Der Erkenntnisfortschritt der Naturwissenschaften (besonders durch I. Newton) bewirkte die Ausarbeitung eines deistischen (z.B. bei Voltaire), später auch eines materialistisch-atheistischen Weltbildes (u.a. bei D. Diderot, J.O. de La Mettrie, P. H. d'Holbach). Staats- und Rechtslehre erhielten neue Grundlagen: An die Stelle göttlicher Legitimation des Monarchen trat der auf das Naturrecht gegründete Gesellschaftsvertrag (J.-J. Rousseau, Vertragslehre). Gegenüber dem Machtanspruch des Staates seien die Menschenrechte unverzichtbar und gültig. Darum betonte auch die Verfassungslehre besonders die Rechte des Einzelnen und die sich aus ihnen ergebenden Grenzen der Staatsgewalt sowie den Gedanken der Gewaltenteilung (Locke, Montesquieu). Das neue Gesellschaftsideal sollte durch Anleitung zum freiheitlichen, autonomen Vernunftgebrauch möglich werden. Auf dieser Grundlage werde die stete Vervollkommnung und Verwirklichung eines freiheitlichen, menschenwürdigen und glücklichen Daseins in einer neuen Gesellschaft möglich (Fortschrittsoptimismus).

Kontinentalsperre

Nach dem Verlust der Flotte bei Trafalgar bemühte sich Napoleon um Stärkung der eigenen Wirtschaft, indem er vom besetzten Berlin aus die Blockade des europäischen Festlands 1806 gegen Großbritannien verhängte, wobei Großbritannien seinerseits ab 1807 Schiffen aus neutralen Ländern am Anlaufen französischer Häfen hinderte. Da die britischen Exporte überwiegend für die überseeischen Besitzungen und die Vereinigten Staaten bestimmt waren, war der Schaden für die Volkswirtschaft nicht so gravieren wie dies Napoleon erhofft hatte, die Friedensbereitschaft entsprechend gering. Auch waren die positiven Auswirkungen auf die kontinentale Wirtschaft allgemein geringer als erwartet. An den Mittelmeerküsten und in Ostdeutschland, wo die Getreideexporte nach Großbritannien vollständig entfielen, wurde die Wirtschaft allerdings schwer geschädigt. Da Napoleon die besetzten Länder zudem ausbeuten ließ, entstand eine antifranzösische Stimmung, die sich zunächst in der spanischen und österreichischen Erhebung von 1809 entlud und schließlich in die Befreiungskriege der europäischen Völker mündete. Napoleons Fehleinschätzung der Situation auf den britischen Inseln und der bereits seit 1810 bestehende Widerstand Rußlands gegen die Kontinentalsperre trugen schließlich zum Kriegsausbruch 1812 bei.

Die SPIEGEL-Affäre

Als am 10.10.1962 DER SPIEGEL mit einem Bericht des Redakteurs Conrad Ahlers über das NATO-Manöver Fallex 62 unter dem Titel "Bedingt abwehrbereit" erschien, wurde seitens der Regierung in Gestalt des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß der Vorwurf des Landesverrats erhoben. Am 26.10. wurden die Redaktionsräume des Magazins von ca. 50 Polizeibeamten besetzt und durchsucht und Rudolf Augstein, sowie an seinem Urlaubsort in Spanien, Conrad Ahlers und die Chefredakteure verhaftet. Diese Aktion führte zu einer heftigen innenpolitischen Auseinandersetzung über die Pressefreiheit, zumal die Vermutung geäußert wurde, man wolle sich eines bei CDU und CSU gleichermaßen unliebsamen Presseorgans ein für alle Male entledigen. Der damalige Kanzler, Konrad Adenauer, sah sich den Vorwürfen der SPD-Opposition, gegen das Grundrecht der Pressefreiheit verstoßen zu haben, ausgesetzt und war schließlich gezwungen, Strauß, der lange jede Beteiligung an der Aktion bestritten hatte, bei der Neubildung der Regierung am 14.12.1962 nicht mehr zu berücksichtigen; zwei Staatssekretäre wurde ebenfalls demissioniert. Ganz im Gegensatz zur ursprünglichen Zielsetzung der Drahtzieher, ging DER SPIEGEL aus der Affäre gestärkt hervor; er hatte sich als eine der wichtigen demokratischen Institutionen erwiesen und galt fortan als Mittelpunkt des Aufklärungsjournalismus.

Investiturstreit

Konflikt zwischen Reformpapsttum und englischem, französischem und deutschem Königtum in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts um die Einsetzung der Bischöfe und Äbte in ihre Ämter; er wurde zur grundsätzlichen Auseinandersetzung um das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Gewalt. Besonders im Heiligen Römischen Reich hatten sich die Könige mit dem Reichskirchensystem ein Herrschafts- und Verwaltungsinstrument als Gegengewicht zu den Stammesgewalten geschaffen. In der kirchlichen Reformbewegung gewann eine Richtung die Führung, die jede Investitur durch Laien als Simonie ablehnte. Gregor VII. verbot die Laieninvestitur 1075 wohl nur dem deutschen König. Der nun ausbrechende offene Machtkampf zwischen Papsttum und deutschem Königtum (Heinrichs IV. Gang nach Canossa 1077) konnte durch einen Kompromiß beigelegt werden. Der König verzichtete auf die Investitur mit Ring und Stab, belehnte den Gewählten aber mit dem Kirchenbesitz. Diese Übereinkunft wurde 1104 vom französischen, 1107 vom englischen König akzeptiert und bildete auch die Grundlage des Wormser Konkordats (1122).

Wormser Konkordat

Der bei Worms nach zäher Verhandlungen am 22.9.1122 zwischen Heinrich V. und einer päpstliche Legation unter Führung des Kardinalbischofs Lambert von Ostia, des späteren Papstes Honorius II. (1124-30), im Namen Papst Kalixts II. zur Beilegung des 40 Jahre währenden Investionsstreites (s.d.) über zwei Pivilegien geschlossene Vertrag, in dem Heinrich zwar auf die Investitur mit den geistlichen Symbolen Ring und Stab verzichtete, aber seine und seines Stellvertreters Anwesenheit bei den Bischofs- und Abtswahlen und eine königliche Mitwirkung bei strittigen Wahlvorgängen erzwang. Dieser Friedensschluß löste den Kaiser ohne Bußleistung vom Kirchenbann.

Bis zur Kirchenreform des 11. Jahrhunderts hatten die ottonischen und salischen Könige die Bischöfe und Reichsäbte, die auch zu weltlichen Herrschaftsaufgaben herangezogen wurden, ernannt und durch die Investitur mit Ring und Stab in ihre Ämter eingesetzt. Diese für die Herrschaftspraxis des Königs entscheidende Befugnis, die besonders seit Otto I. notwendiger Bestandteil der Reichsverfassung war,  wurde von Papst Gregor VII. grundsätzlich infrage gestellt; vielmehr sollte durch die Einführung eines allgemeinen Investiturverbots der Einfluß von Laien bei der Besetzung geistlicher Ämter gänzlich ausgeschaltet werden.  Voraussetzung für den damals erzielten Kompromiß zwischen beiden Parteien war ein geistiger Klärungsprozess, der zur Scheidung der geistlichen und weltlichen Befugnisse der kirchlichen Amtsträger (Trennung von geistlichen Ämtern, den Spiritualia, und weltlichen Besitz- und Hoheitsrechten, den Temporalia) führte.

Formal besteht das Wormser Konkordat aus zwei damals ausgetauschten Urkunden, in denen Heinrich V. und Papst Kalixt II. jeweils der Gegenseite in knapper Form ihre Zugeständnisse verbrieften. Im kaiserlichen Privileg verzichtete Heinrich V. auf die Investitur mit den geistlichen Symbolen Ring und Stab und gestand kanonische Wahl und freie Weihe zu; ferner versprach er die Rückgabe des entfremdeten Kirchengutes sowie künftige Hilfeleistung für den Papst. Der Einfluß des Kaisers blieb aber erheblich. Im päpstlichen Gegenstück, dem Calixtinum, erlaubte der Papst die Anwesenheit des Kaisers bei Bischofs- und Abtswahlen und die Belehnung (Regalienleihe) der Erwählten mit dem Zepter, in Deutschland vor der Weihe, in Burgund und Italien danach; ferner sicherte er Heinrich eine begrenzte Einflußmöglichkeit bei strittigen Wahlen zu. Während der Kaiser sein Privileg für Gott, die heiligen Gottesapostel Petrus und Paulus und die heilige katholische Kirche ausstellte, ist in der Urkunde des Papstes nur Heinrich V. als Empfänger genannt, so daß die päpstlichen Konzessionen zeitlich möglicherweise nur auf Heinrichs Lebenszeit beschränkt sein sollten. Die Abmachungen von Worms wurden im März 1123 durch eine Lateransynode bestätigt.

Interregnum

[lat.Zwischenherrschaft] In Wahlmonarchien die Zeit von dem Tod, der Absetzung oder Abdankung eines Herrschers bis zur Wahl eines neuen; in der deutschen Geschichte die Zeit vom Tod Konrads IV. (1254) bis zur Wahl Rudolfs I. von Habsburg (1273), die für die politische und verfassungsmäßige Entwicklung des Heiligen Römischen Reiches von großer Bedeutung war: v.a. Ausbildung des Landesfürstentums (Landesherrschaft), Gründung von Städtebünden, die sich zu Wahrern des Landfriedens aufschwangen, Aufstieg der Ministerialen. Erst die Goldene Bulle (1356) sicherte mit der Bestimmung von Reichsverwesern die Kontinuität der Reichsverwaltung während eines Interregnums (bis 1806 gültig).

Kubakrise

Nachdem Fidel Castro 1959 den Diktator Batista vertrieben hatte, unterstütze ihn die Sowjetunion wegen der geostrategischen Lage Kubas durch Handel-und Kapitalhilfeabkommen. Die USA reagierten zunächst mit einem partiellen Handelsembargo, ab Februar 1962 dann mit einem totalen Embargo. Nach dem gescheiterten Versuch einer Invasion der Insel in der Schweinebuch, die als “vergiftetes Geschenk” auf Vorbereitungen Eisenhowers zurückging, durch Exilkubaner und mit Hilfe von verdeckter amerikanischer Luftunterstützung sowie amerikanischen Soldaten im April 1961, begann Nikita Chruschtschow daraufhin mit der Aufstellung sowjetischer Raketen auf Kuba, durch die die Metropolen der amerikanischen Ostküste unmittelbar bedroht werden konnten. Als im September 1962 US-Aufklärungsflugzeuge die sowjetischen Abschußrampen auf Kuba zweifelsfrei identifiziert hatten, forderte John F. Kennedy Chruschtschow am 22.10.1962 ultimativ den Abbau und Rücktransport der Raketen. Zwei Tage später errichteten die USA eine Seeblockade gegen Kuba. Am 28. 10. befahl Chruschtschow der auf Kuba zusteuernden sowjetischen Flotte abzudrehen und die Raketenstellungen zu demontieren. Im Gegenzug ließ Kennedy 1963 die in der Türkei stationierten und die Südsowjetunion bedrohenden amerikanischen Stellungen abbauen.

Pandekten

[griech.: pandekth] alles enthaltend], die Sammlung des alten Juristenrechts im corpus iuris. Im neuzeitlichen Sprachgebrauch ist Pandektenrecht ein auf der Grundlage der Pandekten erwachsenes modernes Rechtssystem. Pandektiasten sind die auf dem römischen Recht fußenden deutschen Zivilrechtler des 19. Jahrhunderts. Vertreter v.a. Friedrich Karl von Savigny und Georg Friedrich Puchta (*1798, +1846).

Sturm und Drang

Diese schlagwortartige Bezeichnung für eine geistige Bewegung, besonders eine Literaturperiode in Deutschland von der Mitte der 60er Jahre bis Ende der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts, die auch als Geniezeit bezeichnet wird, geht auf den Titel eines Schauspiels des Dramatikers Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) zurück. Dieses Schauspiel, das ursprünglich Wirrwarr hieß, wurde auf Vorschlag des Schweizer Satirikers und Abenteurers Christoph Kaufmann (1753-1795), eines typischen Vertreters der Geniezeit, in Sturm und Drang umbenannt. Die Bezeichnung wurde schließlich auf die ganze damalige Bewegung übertragen. Der Ausgangspunkt dieser Bewegung war eine jugendliche Revolte, die besonders gegen die Einseitigkeiten der Aufklärung und die herrschende Gesellschaftsordnung mit ihren erstarrten Konventionen gerichtet war. Die Bezeichnung “Sturm und Drang” wird heute auch übertragen gebraucht, dabei aber weniger zur Kennzeichnung einer ganzen Gruppe oder einer Bewegung verwendet, sondern eher zur Charakterisierung einer Entwicklungsphase eines jungen Menschen, in der Ungestüm und jugendlicher Überschwang vorherrschen, Rationalität und Abgeklärtheit noch fehlen und auch nicht erstrebenswert erscheinen.

Karlsbader Beschlüsse

Die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue , der in seinem Literarischen Wochenblatt 1818/19 die liberale Studentenbewegung der Deutschen Burschenschaft verhöhnt hatte, durch den Burschenschaftler Karl Ludwig Sand am 23.März 1819 in Mannheim nahm Metternich zum Anlaß, nun energische Maßnahmen zu ergreifen, um mit der ganzen Macht der Staaten gegen die seit langem mit Mißtrauen beobachteten nationalen und liberalen Bestrebungen vorzugehen. Auf den von Metternich einberufenen Karlsbader Konferenzen vom 6. bis 31.August 1819, an denen neben Österreich und Preußen acht weitere deutsche Staaten teilnahmen, wurden Beschlüsse gefaßt, die am 20.September 1819 von der Bundesversammlung einstimmig angenommen wurden.

Diese Beschlüsse enthielten das Verbot der Burschenschaft und die Einsetzung eines außerordentlichen landesherrlichen Bevollmächtigten, der an den Universitäten das Auftreten und Verhalten der Professoren und Studenten streng zu überwachen hatte. Alle Hochschullehrer, die durch Mißbrauch ihres rechtmäßigen Einflusses auf die Gemüter der Jugend, durch Verbreitung verderblicher, der öffentlichen Ordnung und Ruhe feindseliger oder die Grundlagen der bestehenden Staatseinrichtungen untergrabender Lehren ihre Unfähigkeit zur Verwaltung des ihnen anvertrauten wichtigen Amtes unverkennbar an den Tag gelegt haben, sollten rigoros aus ihren Ämtern entfernt und auch in keinem anderen Bundesstaat wieder angestellt werden. Ferner wurde in den Karlsbader Beschlüssen eine staatliche Vorzensur für alle Zeitungen, Zeitschriften und sonstige Druckschriften unter 20 Bogen im Druck eingeführt. Eine außerordentliche Zentral-Untersuchungskommission des Bundes wurde mit Sitz in Mainz eingerichtet, die die revolutionären Umtriebe und demagogischen Verbindungen zu untersuchen und zu verfolgen hatte. Durch eine Exekutionsordnung wurde dem Bund das Recht zuerkannt, gegebenenfalls gegen einen Mitgliedsstaat des Bundes eine Bundesexekution durchzuführen, wenn in diesem Staat revolutionäre Entwicklungen von den regionalen Behörden nicht unterbunden werden konnten. Die Karlsbader Beschlüsse führten bald, am stärksten in Preußen, zu den Demagogenverfolgungen.

Russische (julianische) Zeitrechnung

1699 verfügte Peter der Große die Umstellung von der byzantinischen Zeitrechnung auf den Julianischen Kalender. Der Julianische Kalender, der 46 v. Chr. von Julius Caesar eingeführt worden war, galt bis kurz nach der Oktoberrevolution 1917. Lenin verfügte 1918 die Anpassung an den Gregorianischen Kalender, nach dem man sich in Westeuropa richtete (seit dem 16. Jahrhundert). Auf den 31. Januar 1918 ließ man den 14. Februar folgen. Die zeitliche Differenz zwischen dem Julianischen und dem Gregorianischen Kalender beträgt im 18. Jh. 11 Tage, im 19. Jh. 12 Tage und im 20. Jh. 13 Tage. Das Kirchenjahr der orthodoxen Kirche folgt weiterhin dem Julianischen Kalender.

Schlesischer Weberaufstand

Die bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland einsetzende Industrialisierung drängte die unteren Schichten des Volkes für Jahrzehnte in einen Zustand völliger Abhängigkeit von Unternehmern und Fabrikherren ab, denen sie anfänglich hilflos ausgeliefert waren. Gesetzliche Bestimmungen gegen die Ausbeutung der Lohnarbeiter existierten nicht. Um ihre Lage zu verändern, blieb ihnen nur die Möglichkeit, sich zusammenzuschließen und sich zu wehren - obwohl Zusammenschlüsse von Arbeitern und Handwerkern verboten waren. Am 4. Juni 1844 kam es zu einem Aufstand von 3000 schlesischen Webern gegen ihre Arbeitgeber.

Die schlesischen Weber waren Heimarbeiter, die ihre Webstühle im Handbetrieb bedienten. Sie waren abhängig von ihren Arbeitgebern, die ihnen die Rohstoffe lieferten und dann die fertigen Waren abnahmen. Die Konkurrenz einheimischer und britischer Waren, die bereits industriell produziert wurden - die britische Textilindustrie profitierte von der Anwendung der Spinnmaschine und des mechanischen Webstuhls sowie von einem für sie günstigen Zolltarif - führte dazu, daß sich über Jahrzehnte hinweg die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung der schlesischen Weber immer mehr verschlechterten. Auch vermehrte Kinderarbeit und die Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit konnten den Lohnverfall nicht ausgleichen. Die mit ihren Familien im Elend lebenden Weber taten sich zusammen und forderten höhere Löhne. Als diese abgelehnt wurden, drangen sie in die Häuser der Fabrikherren ein, zerstörten Einrichtungen und Maschinen. Ihr Aufstand wurde nach drei Tagen durch preußisches Militär blutig niedergeworfen. Am Vorabend der Revolution von 1848 hat dieser erste größere Aufstand von verzweifelten Arbeitern, die begannen, sich ihrer Macht bewußt zu werden, überregionale Bedeutung erlangt.

Die dramatischen Ereignisse wurde vielfach dichterisch behandelt, u.a. von Heine Heine (Gedicht), Gerhart Hauptmann (Drama) und Käthe Kollwitz (Grafikzyklus); auch Bettina von Arnim bezog in ihrem Armenbuch Stellung zu den bedrückenden Zuständen.

Kulturkampf

Bald nach der Gründung des Deutschen Reiches kam es zum Zusammenstoß mit der katholischen Kirche, genauer mit dem politischen Katholizismus. Eine katholische Parteigruppierung hatte es bereits 1848 in der Frankfurter Nationalversammlung gegeben. 1870 entstand im preußischen Abgeordnetenhaus aus der katholischen Fraktion das Zentrum, das 1871 als zweitstärkste Fraktion in den Reichstag einzog.

Bismarck stand der neuen konfessionellen Partei mit großem Mißtrauen gegenüber. Für ihn stand sie als katholische Gruppierung von vornherein in Opposition zu dem neuen Staat und seinem protestantischen Kaisertum. In ihr sammelten sich nach seiner Meinung die “Besiegten von 1866”, die Gegner der kleindeutschen Reichsbildung, die hannoverschen Welfen, die Polen aus den östlichen preußischen Provinzen, später auch die Elsässer. Bismarck befürchtete immer eine Verbindung der katholischen Zentrumspartei zu den katholischen Mächten Frankreich und Österreich. Im Juli 1871 wurde als erste Maßnahme die katholische Abteilung im preußischen Kultusministerium geschlossen. In dem sich allmählich verschärfenden “Kulturkampf” - diesen Begriff prägte der Führer der Fortschrittspartei, Rudolf Virchow, in einem Wahlaufruf - wurde im Dezember 1871 der “Kanzelparagraph” als Reichsgesetz eingeführt. Danach waren Geistliche, die bei der Ausübung ihres Amtes von der Kanzel herab staatliche Angelegenheiten “in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise” kommentierten, mit Amtsentlassung und Gefängnis bedroht. Mit dem Schulaufsichtsgesetz vom März 1872 wurde der Kirche die geistliche Aufsicht über die Schulen entzogen und in Preußen durch die staatliche Schulaufsicht ersetzt.

Bundesrat und Reichstag beschlossen 1872 das Verbot des Jesuitenordens innerhalb des Reichsgebiets. Weitere Maßnahmen dehnten das staatliche Aufsichtsrecht aus und schränkten die kirchliche Disziplinargewalt ein. Der Staat behielt sich ein Einspruchsrecht bei der Anstellung von Geistlichen vor (1873); so mußten Geistliche vor Amtsantritt z.B. ein “Kulturexamen” ablegen, das ein Studium an einer deutschen Universität voraussetzte. 1875 wurde die Zivilehe als allein gültige Ehe eingeführt und alle geistlichen Orden mit Ausnahme reiner Krankenpflegeorden verboten. Weitere Gesetze sperrten die staatlichen Geldzuwendungen an die katholische Kirche und beteiligten die Altkatholiken am kirchlichen Vermögen. Zeitweise waren 1/4 der Pfarreien und alle Bistümer nicht besetzt, da viele Priester ihrer Ämter enthoben, verhaftet oder ins Ausland geflohen waren.

Die Absicht Bismarcks, mit diesen kirchenpolitischen Maßnahmen das Zentrum zu zerschlagen, schlug fehl. Der Kulturkampf führte im Gegenteil zu einem stärkeren Zusammenschluß der katholischen Bevölkerung mit ihrer in Not geratenen Geistlichkeit. Bei den Reichstagswahlen 1874 konnte die Zentrumspartei ihre Stimmenzahl mehr als verdoppeln. So führte der Kulturkampf zu einer schweren innenpolitischen Niederlage Bismarcks und der liberalen Bewegung. Er strebte deshalb, als 1878 Papst Pius IX. starb und sein Nachfolger Leo XIII. Anzeichen von Kompromißbereitschaft erkennen ließ, die Beendigung des Kulturkampfes an. Die meisten Maßnahmen wurden wieder aufgehoben, bestehen blieben der Kanzelparagraph (bis zu seiner Aufhebung durch den Deutschen Bundestag 1953), die Zivilehe, die staatliche Schulaufsicht und bis 1917 die Jesuitengesetze.

Baader-Meinhof-Gruppe

In der Folge der nur teilweise und halbherzig erfolgten juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der Ereignisse im Dritten Reich kam es in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland zu Unzufriedenheit mit und Widerständen gegen das Establishment. Hinzu trat eine Veränderung im Lebensgefühl vorwiegend der studentischen Jugend (Kommune 1 in Berlin). Zunächst begannen Studenten an den Universitäten in West-Berlin, Frankfurt am Main u.a. gegen den “Mief von Tausend Jahren unter den Talaren” zu rebellieren. Straßendemonstrationen gegen den Besuch des Schahs von Persien, die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg in Berlin durch einen Polizeibeamten, den Vietnamkrieg , den “Fall Filbinger” etc. Der Staat reagierte - wie von den Radikalen vorhergesehen - mit der Einführung von Notstandsgesetzen und mit Berufsverboten u.a. Maßnahmen. Da jedoch die beabsichtigte Radikalisierung der Bevölkerung mißlang, entstand in den Jahren 1968-70 eine Vereinigung von Terroristen, geführt von Andreas Baader und Ulrike Meinhof (Selbstmord 1976); die Gruppe suchte ebenso wie ihre Nachfolgeorganisation Rote-Armee-Fraktion (RAF) nach den Methoden der Stadtguerilla die Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland umzustoßen (Attentate, Überfälle, Waffendiebstahl u.a.). 1972 wurde der sog. harte Kern verhaftet und 1973 vor Gericht (OLG Stuttgart) gestellt: neben den oben Genannten Gudrun Ensslin, Jan Carl Raspe und Holger Meins  durch Hungerstreik). Im April 1977 wurden Baader, Ensslin und Raspe u.a. wegen vierfachen Mordes zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt. Nach dem Scheitern des Versuchs, durch die Entführung des Präsidenten der deutschen Arbeitgeberverbände, Hanns-Martin Schleyer (September 1977) und der Boeing 737 (Landshut) der Lufthansa im Oktober 1977, Baader, Ensslin, Raspe und andere inhaftierte Terroristen freizupressen, begingen die drei Terroristen Selbstmord in ihren Zellen im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim.

Erfüllungspolitik

Abwertendes Schlagwort der Rechtsparteien in der Weimarer Republik, besonders der Deutschnationalen und Nationalsozialisten, für die 1921 von Reichskanzler Joseph Wirth und Außenminister Walter Rathenau eingeleitete Politik der deutschen Reichsregierungen, die Verpflichtungen des Versailler Vertrags nach Möglichkeit zu erfüllen, um damit zugleich die Grenzen der Leistungsfähigkeit Deutschlands offenkundig und eine Revision der Reparationsbestimmungen des Versailler Vertrags unabweisbar zu machen.

Ptolemäisches Weltbild

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Werke des griechischen Naturforschers Ptolemäus (* um 100 v.Chr., + um 160 v.Chr.) waren bis ins Mittelalter hinein unbestritten und beeinflußten das astronomische Denken bis ins 17. Jahrhundert hinein, obwohl bereits Aristarchos von Samos um 260 v.Chr. ein heliozentrisches Weltbild (Sonne im Mittelpunkt unseres Planetensystems befindlich) vorgeschlagen hatte. U.a. vertrat er die Meinung, daß die Erde im Mittelpunkt des Sonnensystem stehe und unbeweglich sei. Alle Planeten und die Sonne umkreisten danach die Erde (geozentische Stellung der Erde).

Hitler-Stalin-Pakt (Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffspakt)

Ein am 23.8.1939 in Moskau für zehn Jahre abgeschlossener und unmittelbar in Kraft gesetzter Vertrag; der die Verpflichtung zu gegenseitiger Neutralität bei Auseinandersetzungen mit einem Dritten enthielt. Der von den Außenministern J. von Ribbentrop und W.M. Molotow unterzeichnete Vertrag enthielt ein Geheimes Zusatzprotokoll (bis 1989 von der UdSSR bestritten), in dem das westliche Polen (bis zur Linie der Flüße Narew, Weichsel und San) und Litauen der deutschen Interessensphäre, Finnland, Estland, Lettland, das östliche Polen und Bessarabien der sowjetischen zugewiesen wurden. Der Pakt ermöglichte Hitler den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem Überfall auf Polen, weil die Gefahr eines Zweifrontenkrieges bei Beginn des Westfeldzugs zunächst nicht bestand. Stalin rückte mit dem Abschluß dieses Vertrages vom britisch-französischen Plan einer die UdSSR ei