München, Alter Südlicher Friedhof

Renchen (neben der Kirche)

Aschaffenburg, Altstadtfriedhof

Tübingen, Stadtfriedhof

Bayreuth, Alter Friedhof

Bollschweil b. Freiburg

München, Alter Südlicher Friedhof

Mannheim, Hauptfriedhof, Roentgenstr.

Bild: KN (ca. 1975)

Görres, Johann Joseph von (seit 1839)

 

  • geb. 25.1.1776 in Koblenz
  • gest.29.1.1848 in München

Deutscher Publizist und Enzyklopädist; die Invasion des Rheinlands durch französische Truppen hatte ihn zu einem revolutionären Aktivisten und zunächst Anhänger der Französischen Revolution werden lassen; der Aufenthalt als Deputierter der Rheinprovinzen in Paris hatte ihn jedoch desillusioniert, so daß er sich zunächst von der Politik fernhielt. Ab 1801 war er Lehrer der Naturgeschichte und Physik in Koblenz, später Privatdozent in Heidelberg. Er verfaßte mehrere naturwissenschaftliche Schriften und war seit 1814 Herausgeber des Rheinischen Merkurs, der leidenschaftlich gegen den französischen Kaiser Napoleon und für eine freiheitliche Verfassung und ein einiges Deutsches Reich im föderalistischen Sinne kämpfte (Napoleon fürchtete ihn als “fünfte Großmacht”). 1827 ging er als Professor der Geschichte nach München. Anläßlich des Kölner Kirchenstreits griff er 1837 in seinem Athanasius die preußische Politik an und bestärkte die Abneigung gegen Preußen im katholischen Süden.

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Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von

 

 

  • geb. um 1621/22 in Gelnhausen
  • gest. 17.8.1676 in Renchen i. Baden

Deutscher Dichter; der Sohn protestantischer Eltern, die er – vermutlich durch den 30jährigen Krieg - früh verlor, besuchte die protestantische Lateinschule in Gelnhausen, Als er 12-jährig mit seinem Großvater aus der Stadt, die von einem Kroatenhaufen 1634 überfallen wurde, floh, um in die Feste Hanau zu gelangen, wurde er von den Kroaten verschleppt, geriet so in den Strudel des Dreißigjährigen Krieges und wurde schließlich kaiserlicher Dragoner und Regimentsschreiber und –sekretär. Nach Beendigung des Krieges war er zunächst Gutsverwalter im Gebiet Gaisbach, 1667 wurde er Schultheiß in Renchen. Er konvertierte vermutlich schon vor seiner Heirat mit Katharina Henninger, die 1649 stattfand, zum Katholizismus. Zu schreiben begann er 1658 unter verschiedenen Pseudonymen (seine Decknamen wurden erst 1837 gelüftet). Sein Hauptwerk, Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch (1669), wurde der erfolgreichste deutsche Roman des 17.Jahrhunderts.

Werke u.a.; Die Landstörzerin Courasche (1670), bibl. und geschichtliche Romane.

Inschrift: Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen, dem größten deutschen Dichter des siebzehnten Jahrhunderts. Schultheiß zu Rechen, gestorben den 17. August 1676 auf seiner Ruhestätte, zum Gedächnis errichtet am 17, August 1879.

2.Inschrift s.Abbildung links

 

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Heinse, Johann Jakob Wilhelm eigentl. Heintze

 

 

  • geb. 15.2.1746 in Langewiesen b. Ilmenau/Thüringen
  • gest.22.6.1803 in Aschaffenburg

Deutscher Dichter; der Sohn eines Stadtschreibers studierte Jura in Jena und Erfurt. Er war Verfechter eines schrankenlosen “ästhetischen Immoralismus”. 1772 nahm er eine Hofmeisterstelle in Halberstadt an, war 1774 Mitherausgeber der Damenzeitschrift Iris in Düsseldorf, wo er mit den Dichtern des Sturm und Drang Johann Georg Jacobi, Friedrich Heinrich Jacobi und Friedrich Maximilian Klinger regen geistigen Austausch pflegte. Von 1780 bis 1783 reiste er, überwiegend per pedes apostolorum, nach Italien, lebte in Rom längere Zeit mit Friedrich Müller zusammen, übernahm nach seiner Rückkehr eine Stelle als Bibliothekar beim Mainzer Kurfürsten und Erzbischof an, übersiedelte in dieser Funktion 1795 nach Aschaffenburg. Sein unter Pseudonym veröffentlichtes Hauptwerk, Ardinghello und die glückseeligen Inseln, nahm auf Friedrich Hölderlin und die Romantik erheblichen Einfluß.

Werke: Ardinghello und die glücklichen Inseln. Eine Italiänische Geschichte aus dem sechszehnten Jahrhundert (1787), Laidion oder die Eleusinischen Geheimnisse (1774), Hildegard von Hohenthal (1795/96).

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Jean Paul eigentl. Johann Paul Friedrich Richter

 

 

  • geb. 21.3.1763 in Wunsiedel
  • gest.14.11.1825 in Bayreuth

Deutscher Dichter; Pfarrerssohn, aus ärmlichen Verhältnissen, die ihn - besonders nach dem Todes des Vaters 1779 - zum Abbruch seines Theologiestudiums in Leipzig und 1786 zur Annahme einer Stellung als Hauslehrer in Schwarzenbach zwangen, leitete von 1790 bis 1794 eine Privatschule, lebte nach dem Tod seiner Mutter (1797) wieder für kurze Zeit in Leipzig, ging anschließend nach Weimar, wo er bereits 1796 auf Einladung Charlotte von Kalbs gelebt hatte. Er schloß Freundschaft mit Johann Gottfried Herder, ließ sich mit Ehefrau Caroline Mayer (seit 1801) nach kurzen Zwischenstationen in Meiningen und Coburg 1804 in Bayreuth nieder. Sein Leben war von der Angst überschattet, wahnsinnig zu werden: ein jüngerer Bruder war ins Wasser gegangen. Seine Schaffenskraft war frühzeitig verbraucht, mit 62 Jahren erblindete er und ward kränklich.

Werke: Quintus Fixlein (1796), Siebenkäs (1796/97), Flegeljahre (1804), Dr. Katzenbergers Badereise (1809).

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Kaschnitz, Marie Luise, eigentl. Freifrau von Kaschnitz-Weinberg, geb. von Holzing-Berstett

 

  • geb. 31.1.1901 in Karlsruhe
  • gest.10.10.1974 in Rom

Deutsche Schriftstellerin; nach einer Buchhändlerlehre in Weimar arbeitete sie als Buchhändlerin in München und Rom, heiratete 1925 den österreichischen Archäologen Guido Freiherr von Kaschnitz-Weinberg und bereiste mit ihm südeuropäische und nordafrikanische Länder. Beide lebten u.a. in Rom (1926-32, 1953-56), Königsberg (1932-37), Marburg (1937-41) und Frankfurt am Main (1941-53). Nach dem Tod ihres Mannes (1958) lebte sie zumeist in Frankfurt und im Haus ihres Bruders in Bollschweil; seit 1960 hielt sie Poetikvorlesungen an der Universität Frankfurt, erhielt 1955 den Georg-Büchner-Preis sowie 1966 die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und 1967 die Ehrenbürgerrechte von Bollschweil, 1968 den Ehrendoktor der Frankfurter Universität. Kaschnitz schrieb neben stimmungsvollen Romanen, Erzählungen autobiographische Schriften und Gedichten, Essays und Hörspiele.

Werke u.a.: Ewige Stadt, Engelsbrücke (1952), Römische Betrachtungen (1955), Lange Schatten (1960).

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Kotzebue, August Friedrich Ferdinand von

 

 

  • geb. 3.5.1761 in Weimar
  • gest. 23.3.1819 in Mannheim

Schriftsteller; der Sohn eines großherzoglich-weimarischen Legationsrates und Neffe des Märchendichters Musäus studierte Jus in Jena und Duisburg; 1781 ging er als Sekretär eines Generalgouverneurs nach Rußland, wurde 1783 Gerichtsassessor in Reval (heute Tallinn) und 1785 Präsident des Gouvernements-Magistrats der Provinz Estland sowie 1797 Hofdichter in Wien, bevor er nach Weimar zurückkehrte. 1800 erneut in Rußland eingereist, wurde er verhaftet und nach Sibirien verbracht, nach einem Jahr durch Zar Paul I. befreit und mit einem Gut in Livland entschädigt. Danach hielt er sich abwechselnd in Deutschland und Rußland auf, wurde 1816 Staatsrat im Dienst Zar Alexanders I. in St. Petersburg. Kotzebue, der die liberalen Ideen und die Ideale der Burschenschaften verspottete, wurde vom Theologiestudenten Carl Ludwig Sand erdolcht (damit der erste politische Mord in Deutschland). Er war neben August Wilhelm Iffland einer der erfolgreichsten Bühnenautoren seiner Zeit: verfaßte ca. 200 Melodramen und Lustspiele; Goethe ließ während seiner Zeit als Leiter des Weimarer Theaters (1791-1817) 90 Stücke Kotzebues aufführen.

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Kotzebues Ermordung (zeitgenössische Darstellung)

Werke u.a.: Menschenhaß und Reue (1789), Die Spanier in Peru (1796), Die beyden Klingsberg (1801), Die deutschen Kleinstädter (1803), Der Rehbock oder Die schuldlosen Schuldbewußten (1815), diente Albert Lortzing als Vorlage zu seiner Oper Der Wildschütz (1842).

Inschrift: Die Welt verfolgt ihn ohn’ Erbarmen, Verläumdung war sein trübes Loos, Glück fand er nur in seines Weibes Armen und Ruhe in der Erde Schoss. Der Neid war immer wach, ihm Dornen hinzustreuen, die Liebe lies ihm Rosen blühen; ihm wolle Gott und Welt verzeihen: er hat der Welt verzieh’n.

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Kobell, Franz von

 

  • geb.19.7.1803 in München
  • gest.11.11.1882 in München

Deutscher Mineraloge und Schriftsteller, studierte in München, Landshut und Erlangen; war seit 1826 Professor der Mineralogie an der Universität in München; verfaßte neben dieser Tätigkeit Erzählungen in oberbayerischer und pfälzischer Mundart, war Jagdschriftsteller und schrieb Gedichte.

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Hölderlin, Johann Friedrich Christian

 

 

  • geb. 20.3.1770 in Lauffen a. Neckar
  • gest.7.6.1843 in Tübingen

Deutscher Dichter; nach dem frühen Tod seines Vater, eines Klosterpflegers, und seines Stiefvaters wuchs er in enger Bindung an seine fromme pietistische Mutter auf, die das Pfarramt gegen seine Abneigung für ihn bestimmte. Von 1784 bis 1788 besuchte er die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn und studierte anschließend Theologie in Tübingen. Jedoch brachten ihn seine Studien in Verbindung zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, deren Gedanken und die Französische Revolution einen nachhaltigen Einfluß auf sein Werk hatten. Ende 1793 wurde er auf Empfehlung Friedrich von Schillers Hofmeister bei Charlotte von Kalb in Waltershausen, löste allerdings bereits nach weniger als zwei Jahren die Verpflichtung und zog nach Jena, wo er mit dem Diplomaten und Schriftsteller Isaak von Sinclair (*1775, +1815) eine lang anhaltende Freundschaft schloß. Hier geriet er erstmals in eine seelische Krise, die durch die Präsenz Schiller und Fichtes Größe noch verstärkt wurde, so daß er Jena verließ und 1796 Hofmeister beim Frankfurter Bankier Gontard und dessen Frau Susette wurde, zu der er eine tiefe Freundschaft entwickelte und die als Diotima in seiner Dichtung unsterblich wurde. Als es 1798 zum Bruch mit Gontard kam, lebte Hölderlin bis Mitte 1800 bei seinem Freund Sinclair in Bad Homburg, wurde 1801 Hofmeister in Hauptwil (Schweiz), 1802 in Bordeaux, von wo aus er für zwei Jahre mit ersten Anzeichen einer Charlotte v. Kalbgeistigen Erkrankung ins Haus seiner Mutter zurückkehrte. Sinclair machte mit ihm im gleichen Jahr eine Reise zum Regensburger Reichstag und beschäftigte ihn als Bibliothekar in Bad Homburg. Als Sinclair 1805 unter dem Verdacht revolutionärerer Verschwörung verhaftet wurde, kam Hölderlin 1806 in die Tübinger Heilanstalt, wurde 1807 als unheilbar entlassen und verbrachte den Rest seines Lebens in geistiger Umnachtung im am Neckar gelegenen “Hölderlinturm”.  Sein dichterische Werk - angesiedelt zwischen Klassik und Romantik - wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt.

Werke u.a.: Hyperion, Diotima.

Inschrift: Im heiligsten der Stürme falle zusammen meine Kerkerwand, und herrlicher und freier walle mein Geist ins unbekannte Land.

                                  Hälfte des Lebens

               Mit gelben Birnen hänget
               Und voll mit wilden Rosen
               Das Land in den See,
               Ihr holden Schwäne,
               Und trunken von Küssen
               Tunkt ihr das Haupt
               Ins heilignüchterne Wasser.
              
               Weh mir, wo nehm ich, wenn
               Es Winter ist, die Blumen, und wo
               Den Sonnenschein
               Und Schatten der Erde?
               Die Mauern stehn
               Sprachlos und kalt, im Winde
               Klirren die Fahnen.
              
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

                                        Diotima

Komm und besänftige mir, die du einst Elemente versöhntest,
Wonne der himmlischen Muse, das Chaos der Zeit,
Ordne den tobenden Kampf mit Friedenstönen des Himmels,
Bis in der sterblichen Brust sich das Entzweite vereint,
Bis der Menschen alte Natur, die ruhige, große,
Aus der gärenden Zeit mächtig und heiter sich hebt.
Kehr in die dürftigen Herzen des Volks, lebendige Schönheit!
Kehr an den gastlichen Tisch, kehr in die Tempel zurück!
 Denn Diotima lebt, wie die zarten Blüten im Winter,
Reich an eigenem Geist, sucht sie die Sonne doch auch.
Aber die Sonne des Geists, die schönere Welt, ist  hinunter
Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nur.
[Hölderlin: Gedichte 1784-1800]

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10/2005
ca. 1975
Bild: Hartmut Riehm (10/2006)
Bilder: Hartmut Riehm (10/2006)
Bild: KN (1977)
Bild: Claus Harmsen (stones & art, 04/2007)

Schieber, Anna

 

  • geb.12.12.1867 in Esslingen
  • gest.7.8.1945 in Tübingen

Deutsche Schriftstellerin; arbeitete nach dem Besuch einer Mädchenschule in einer Kunsthandlung und während des Ersten Weltkriegs in einem Lazarett. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war sie in der der Jugend- und Volksbildung aktiv. Ihr erstes Werke erschien bereits 1899, Geschichten für große und kleinen Leute. Insgesamt verfaßte sie ca. 60 Bücher. Viele ihrer Geschichten, volkstümlich und naturverbunden, waren geprägt vom Pietismus und  in Anlehnung an diejenigen von J.P.Hebel. Mitunter wird Anna Schieber noch dem Schwäbischen Dichterkreis zugerechnet.

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Tübingen, Stadtfriedhof

Bilder: Matthias Bauer (08/2008)
Bild: KN (ca. 1974)
Schriftsteller V